Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 11 (November 1916)
- Date
- 1916-11-01
- Page
- Seite 643 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Neuordnung des Geschichtsunterrichts u. s. w. 643 die Annäherung des Judentums in Cultus, Lebensführung: und Lebensauffassung an das Christentum gewählt und dafür gestritten hatte. Dafür galten gerade der Reform die ersten und heftigsten Stöße des Antisemitismus, dessen Führer im Anfang es immer wieder betonten, daß ihr Ziel nicht das orthodoxe, sondern nur das kosmopolitisch-religionslose Reform Judentum sei. Die Orthodoxie aber — nun, sie trüge ihren Namen nicht mit Recht, wenn sie der Stimme der Weltklugheit gefolgt und den Bruder, wenn auch den lange verirrten, in der Stunde der Gefahr verlassen hätte. Ihre Männer haben — es genügt an die Namen Hoffmann und Hirsch Hildesheimer zu erinnern — für die Abwehr des Antisemitismus die Organisation geschaffen, die! Munition geliefert und, Jahrelang allein, ihre Haut zu Markte getragen. Sie hat in den Herzen, die dem Judentum schon fast völlig»abgestorben waren, die letzten, schwachen Fünkchen wieder angefacht, hat Jenen, deren Welt der Ideale in dem Debacle der Verbrüderungsbestrebungen zusammengebrochen war, in dem Väterglauben neue Leitsterne gezeigt, hat durch Wort und Schrift ihr Wissen vom Judentum, das unter den Nullpunkt gesunken war, wenigstens mit den notwendigsten Kenntnissen gefüllt. Es gehört mit zum Kapitel vom grimmen Humor der. Geschichte, daß aus dieser Saat, die sie ausgestreut, der Orthodoxie zwei waffenfähige Gegner erwachsen sind: der Zionismus und das ״ liberale Judentum. Die Enkel der Männer, die in den fünfziger, sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts unsere Väter wegen Vaterlandslosigkeit denuncirten, weil sie für Zion und Jerusalem beteten, wie wir es heute tun, schmähen heute unseren Mangel an ״nationalem“ Empfinden, weil wir die Jagd nach der gesicherten Heimstätte nicht über den Jom Kippur stellen. Und sie hätten doch läjngst auf gehört auch nur dem Namen nach Juden zu sein, wären vielleicht als Christen geboren, wenn wir ihre Väter in den siebenziger Jahren nicht gestützt und für das Judentum gerettet hätten. Und vollends das ,,liberale“ Judentum! Woher hätte es seine Contingente, woher