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Jeschurun · 1916-11-01 · Heft 11 (November 1916) · p. Seite 642

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 11 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 642 (sequence 52)
Language
German
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642 Die Neuordnung des Gescinchtsunterriclits u. s. w. gestellt, gerüstet zum Kampf gegen die Reform dastehe* und sich durch das Bramarbasiren des Feindes so gar nicht schrecken lasse, sondern im Hieb die beste Parade sehe. Wie richteten sich bei dieser Kunde doch die gebeugten Rücken, die niedergetretenen Seelen auf! Wie glänzte unser Kinderauge, wenn die Alten uns mit soviel Verehrung und Liebe im Ton von diesen Männern, bald auch von den Taten und dem Wirken ihrer nacheifernden Schüler erzählten, und wie sind doch die Erinnerungen aus jenen Stunden uns ein köstlicher Besitz fürs Leben geworden und geblieben, an denen wir uns erlabten und die uns stützten in Stunden, da es doch wieder anders kam, als wir damals vom Leben erwarten zu dürfen glaubten! Diese Mitgift für’s Leben aber versagen wir unseren Kindern, wenn wir sie zwar für das Große und Schöne, von dem uns Jahrhunderte, ein Jahrtausend trennen, begeistern, aber die Heldenbilder aus den letzten Jahrzehnten vor ihren Augen verbergen. Unsere Geschichtsbetrachtung schreitet weiter. Die Orthodoxie hatte sich ermannt, die ״Reform“ erschlaffte mehr und mehr. Zum wahrhaft schöpferischen Gedanken unfähig, geschweige denn zur schöpferischen Tat, hatte sie ihren Beruf dahin erfüllt, überall, wohin sie trat, um sich! eine religiöse Einöde zu schaffen; aber diese von ihr geschaffene Wüstenei ward ihr zum Verhängnis, das tote Land trug nicht einmal mehr genug, um auch nur ihre bescheidenen religiösen Ansprüche zu befriedigen. Dann kam der Antisemitismus. Wehrlos stand sie und ihre Gemeinde den Angriffen, denen sie zu allererst ausgesetzt war, gegenüber; ihr Wissen vom Judentum reichte wahrlich nicht aus, um den Fälschungen eines Justus—Brimann, eines Rohling, eines Stöcker et tutti quanti die Wahrheit entgegenstellen zu können; ihr Zusammenhang mit dem Judentum in seiner zwirnsfadenen Verdünnung war nicht tragkräftig genug, um dem wuchtigen Angriff standzuhalten. Berthold Auerbach starb darob an gebrochenem Herzen und in ihm starb der Geist einer Epoche der jüdischen Geschichte, die als ihre Aufgabe

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