Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 11 (November 1916)
- Date
- 1916-11-01
- Page
- Seite 637 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Neuordnung des Geschichtsunterrichts u. s. w. 637 Auf und Ab seines politischen Geschicks als Wechselwirkung von Treue odfer Untreue gegenüber seiner Religion; geschichtliche Überlieferung, besser bezeugt als sonst irgend ein Vorgang oder Ereignis der Welthistoria, ist ihm die mündliche Thora, die ungeschmälert und von Verunstaltungen frei seinen Söhnen als Erbschaft zu übermitteln, von damals bis heute in jedem Geschlecht der jüdische Vater als heilige Pflicht und als stolzes Recht betrachtete. Enthält diese Erkenntnis, diese Erwägung nicht eine eindringliche Mahnung an uns, den historischen Sinn zu pflegen, damit daraus die Fähigkeit zur geschichtlichen Betrachtung religiöser Probleme und zur richtigen Bewertung der Phrasen, die der Tag gebiert, in unserer Jugend erblühe? Und kann dieser historische Sinn auf einem andren Wege, als auf dem über eine gründliche Geschichtskenntnis gezüchtet werden? VIII. Aber man mag zu der Frage nach der Bedeutung des Geschichtsunterrichts sogar eine andere als die hier skizzirte Stellung einnehmen: die Mängel, die dem jetzigen Zustand anhaften, sind so sinnfällig, das Gefühl der Unbefriedigung, das er erzeugt, groß genug, um den Wunsch nach einer ״Neuordnung“ auch diesen Kreisen nahezulegen. Man kann aber auch über die letzte Ursache dieser Mängel m. E. nur einer Meinung sein; es ist das Fehlen e ines Leitgedankens, die Abwesenheit einer das Ganze beherrschenden Direktive, die dem Geschichtsunterricht, wie er geübt wird, den Charakter des Improvisirten und Impulsiven giebt, die Systematik vermissen läßt und ihn durch diese ihm anhaftenden Eigenschaften für das durch die Schule sonst zu disciplinierter Denk- und Arbeitstätigkeit erzogene Schülergehirn mehr zur Qual als zur freudig begrüßten Aufgabe gestaltet. Die Bilder, die sich vor seinem geistigen Auge abrollen, und erzählten sie von noch so ergreifender Tragik,• und rührten sie noch so sehr an sein Herz, sie bleiben ihm