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Jeschurun · 1916-11-01 · Heft 11 (November 1916) · p. Seite 636

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 11 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 636 (sequence 46)
Language
German
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63 6 Die Neuordnung des Geschichtsunterrichts u. s. w. lischen Bücher und eines gefesteten Besitzes in der systematischen Religionslehre zurückzustehen hat. Nur wäre es völlig verfehlt, aus dieser seiner Rangstellung den Schluß herzuleiten, daß das Wissen von der jüdischen Geschichte leicht und ohne Schaden vernachlässigt werden dürfe, und Wert und Bedeutung dieses Unterrichts nach der ihm eingeräumten Stundenzahl zu bemessen. Das Verfehlte dieser Vorstellung springt schon in die Augen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die höhere Schule, die der jüdische Knabe besucht, ihm zwar eine innige Vertrautheit mit der politischen und der Kulturgeschichte von Hellas und Rom — was gewiß nicht getadelt werden soll! — vermittelt, ihn aber selbst in den elementarsten Kenntnissen von der jüdischen Geschichte völlig im Stiche läßt. Da das Elternhaus gerade auf diesem Gebiet am allerseltensten in der Lage ist, die klaffende Lücke auszufüllen, so ist die Verantwortung der Religionsschule um so größer, wenn auch sie in diesem Punkte versagt und es zuläßt, daß ihr Zögling mit denjenigen Kenntnissen von der Vergangenheit des Judentums belastet ins Leben hinaustritt, die er aus gelegentlichen Sticheleien seiner Lehrer und seiner Mitschüler geschöpft hat. Perspektiven, die, wie jeder mit diesen Dingen etwas Vertraute bestätigen kann, alles andere eher, denn Phantasiegebilde sind! Kür den überlieferungstreuen Juden tritt aber noch eine weitere Erwägung hinzu, um gerade ihm die Betonung! des geschichtlichen Moments in der religiösen Erziehung und Durchbildung der heranwachsenden Jugend zur gebieterischen! Pflicht zu machen. Ihm ganz besonders baut sich das Leben der Gemeinschaft, die die Verkörperung seiner religiösen Ideale darstellt, auf dem Gedanken der geschichtlichen Ueberlieferung auf. Geschichtliche Größen, nicht dogmatische Personificationen sind ihm die Patriarchen, deren Wirken und deren S’chus das Kerngerüst seiner Liturgie bilden; geschichtlicher Vorgang, nicht bloß Glaubensforderung ist ihm die Volkswerdung Israels in seinem Auszug aus Ägypten, seine Berufung als Lehrer der Völker am Sinai, das

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