Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 11 (November 1916)
- Date
- 1916-11-01
- Page
- Seite 628 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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628 Achad Haam und das gdsetzestreue Judentum. Über den Radikalismus, der sich auch auf dem heiligen Boden breit macht, klagt ja Achad Haam selbst oft genug, wie schon oben erwähnt. Was der Eingeweihte immer gewußt, kann jeder jetzt in der letzten Nummer des ״Israelit36״) nachlesen. In einem Aufsatz: ״Thoratreues Judentum und zionistisehe Organisation“ hat ein mir als lauterer Charakter bekannter Mann, der von jedem Zelotismus frei ist, geschildert, wie das praktische Judentum derer aussieht, die noch am meisten Ursache hätten, jene Zurückhaltung in ihrer religiösen Praxis zu üben. ״Kinderkrankheiten!“ wird Achad Haam sagen. Aber eben hierin sind wir entschieden anderer Meinung. Die Pietät gegen das Alte, die Achad Haam durch seine Erziehung erworben37) und die ungewöhnliche Eigenart seiner Persönlichkeit haben ihn vor dem Radikalismus bewahrt. Zu den Anderen, die diesen Schatz des Wissens und der Ehrfurcht nicht mitbringen, haben wir kein Vertrauen. Wo in aller Welt sind denn die Mitstrebenden und Nachfolger? Haben sich denn die jungjüdischen Kulturzionisten verwandelt, die noch in Buber, der das Judentum durchaus zum Urchristentum zurückführen will, einen Führer sehen. Ist vom ״Achad-Haamismus“ mehr übernommen worden als das, was aus den modernen völkerpsychologischen und religionsgeschichtlichen Erkenntnissen für den Hausgebrauch der nationalen Bewegung verwendbar ist? Begegnet man in der ganzen neuen Literatur dieses Schlages altjüdischen Ideen über Gott und ReKgion? Ist der Hauch jüdischen Geistes, der trotz allem, was wir auszusetzen hatten, immer über die Aufsätze Achad Haams gebreitet ist, dort zu verspüren? Ja, wäre überhaupt Achad Haam mit seinen Ideen durchgedrungen, wenn nicht der politische Zionismus abgewirtschaftet hätte und die Verständigen sich nach einem neuen Inhalt umgesehen? Angenommen, dem politischenZionismus wäre der große Schlag geglückt — warum hätte sich nicht ein Baron Hirsch finden können, der für die Verwirklichung 56י) Vom 2. November 1916. ”) Vgl. was hierzu Prof. J. Friedländer, der Übersetzer des ersten Bandes ״Am Scheidewege44 daselbst S. 6 bemerkt.