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Jeschurun · 1916-11-01 · Heft 11 (November 1916) · p. Seite 627

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 11 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 627 (sequence 37)
Language
German
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Achad Haam und das gesetzestreue Judentum. 627 Aber in Erfassung der Grundfrage erscheinen sie mir — sie mögen es mir verzeihen — sehr naiv. Man lese die Citate aus ihren Schriften und Briefen, die Achad Haam anführt und wird das Urteil bestätigt finden. Aber R. Mordechai Eliasberg bemerkt selbst: Für die Nationaljuden ist die An־» schauung des Religiösen nicht störend, es ist ja nur ein Beiwerk. Für die Religiösen ist aber die Anschauung der anderen, wenn sie in die Tat umgesetzt wird, gleichbedeutend mit dem Untergang des Judentums. Und darauf antwortet Achad Haam: Sie können zusammen wirken, wenn die einen auf ihre Freiheit in der religiösen Praxis verzichten und die anderen Toleranz üben gegen einen fremden Gedanken35).־ Als ob es sich uim einen fremden Gedanken handelt und nicht um ein geschlossenes System! von Gedanken, die, wie wir ausgeführt, das ganze Wesen des Judentums auf eine andere Grundlage stellen. Und die naive Zuversicht, daß die anderen auf ihre Freiheit in der religiösen Praxis verzichten würden! Ja, wenn es sich um lauter Achjad' Haams handelte, dessen Herzenstakt aus allen seinen Schriften hervorleuchtet und der darum auch in seiner praktischen Betätigung ihn beweisen würde, der aufgewachsen ist auf ״den Knieen der Thora und Gottesfurcht“ und dem, weil er selber einerseits ausgezeichnet ״lernen“ kann und zugleich eine wahrhaft große umfassende Bildung besitzt auch die rechte Herzensbildung eigen ist. Es ist recht kindlich, an den Durchschnitt, ja auch nur an die immerhin größere Zahl derer, die Träger jenes geistigen Zentrums sein sollen, die Zumutung zu stellen, ihr Leben ununterbrochen in den Dienst von Satzungen zu stellen״ die ihnen leere Ceremonien sind. Sie werden aus ״nationalen“ Gründen eine Mesusa an der Tür hiaben und einen Lulaw nehmen, vielleicht auch in einer Sukka sitzen, das erfordert nur geringe Opfer. Daß sie den Sabbat halten würden, selbst wenn sie die Berufstätigkeit unterlassen, nach den Satzungen des Gottesgebotes, ist eine phantastische Annahme. 35j A. P. D. I S. 85 u. 87.

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