Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 11 (November 1916)
- Date
- 1916-11-01
- Page
- Seite 613 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Aeliad Haam und das gesetzestreue Judentum. 613 empfunden, aber er konnte nickt anders. Ackad Haam rühmt Zangwill, der in seinen ״Kindern des Ghetto“ die Tragödie des Konfliktes in dem Herzen des Buchstabengläubigen richtig gezeichnet habe21). Aber wenn wir einmal annehmen wollen, daß eine künftige Entwickelung unter der Herrschaft der ״Lehre des Herzens“ die Fälle, die Gordon.und Zangwill behandeln, unmöglich machen würden, würde dann das Herz nach Achad Haam von der ״unheilvollen Krankheit“ gesunden? Es ist doch rein äußerlich, daß bei Zangwill die Tochter des Rabbi durch jenen Scherz zu einer geschiedenen Frau wurde. Ist die Tragödie weniger ernst, wenn sie vorher in einer unglücklichen Ehe gelebt und nach ihrer Scheidung ihren David kennen und lieben lernt und R. Samuel dann erfahrt, daß sein Schwiegersohn ein Kohen ist? Daran wären doch die Rabbis gar nicht Schuld, sondern nur der Wortlaut der Thora. Und was sagt die ״Lehre des Herzens“ wenn der Mann verschollen 21) Zum näheren Verständnis der angeführten Fälle sei bemerkt: Im Gedichte von Jehuda Leih Gordon ״das Tüttelchen von einem Jota“ hat ein junger Ehemann seine Gattin schütz- und mittellos zurückgelassen und ist nach Amerika geflüchtet. Die junge Frau lernte einen hochgesinnten Mann kennen, die beiden finden sich in Liebe zueinander und wollen den Bund fürs Leben schließen. Es bedarf nun des Scheidebriefes von dem flüchtigen Gatten. Es gelingt nach langer Mühe, einen solchen zu erlangen. Als dieser aber vor dem Rabbinatskollegium übergeben werden soll und geprüft wird, stellt sich heraus, daß der Name des Ehegatten ohne ״Jod“ geschrieben ist. Der Scheidebrief wird für ungültig erklärt. Inzwischen ist aber der Ehemann verschollen, eine Wiederholung des Scheidebriefes und so auch die Eheschließung der Liebenden nicht möglich. Bei Zangwill ist der Babbi, der die Entscheidung trifft, der Vater des liebenden Mädchens. Er selbst freut sich des Glückes seiner Tochter. Da hört er, daß sein künftiger Schwiegersohn ein Kohen ist und erinnert sich voller Schrecken, daß ein junger Mann einmal seiner Tochter im Scherz einen Ring aufgesetzt habe und dabei die Trauformel gesprochen hat. Seine Tochter mußte damals einen Scheidebrief erhalten und kann nun als Geschiedene nach Leviticus 21, 7 einen Kohen nicht heiraten. R. Samuel, der Vater, ist selbst ganz gebrochen, aber auf alle Klagen seiner Kinder hat er nur das eine Wort: ״Es ist eine Vorschrift der Thora, der wir uns unterwerfen müssen“.