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Jeschurun · 1916-11-01 · Heft 11 (November 1916) · p. Seite 612

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 11 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 612 (sequence 22)
Language
German
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612 Achad Haam und das gesetzestreue Judentum. der, welche sie als Äußerung ungesitteter vom heftigen Rache־ gefühl beseelter Menschen bezeichnet, gähnt ein Abgrund, der durch keine Auseinandersetzung zu überbrücken ist. Wir haben hier wieder, und die so oft wiederkehrende Polemik Achad Haams gegen die Reform darf nicht darüber hinwegtäuschen, alle Requisiten aus jener Epoche älteren und neueren Datums. Auch das Beispiel vom Scheidebrief durfte nicht fehlen. Man er־ innert sich, daß auch die Richtlinienrabbiner (in Deutschland!) damit operierten. Auch der ״starre R. Elieser“ Grätz’schen Angedenkens fehlt nicht. Alles von der Versteinerung, von dem toten Buchstaben des Gesetzes, das haben wir ja so oft schon gehört nicht nur von den liberalen jüdischen, sondern bis zum Überdruß von den christlichen Theologen. Aber gehen wir einmal auf die schöne Entwickelungslehre ein. Für wen soll sie wirksam sein? doch nicht für Achad Haam und seine Gesinnungsgenossen, für die die heilige Schrift in dem ganzen Inhalt ihrer nicht gerade spezifisch ethischen Gesetzgebung antiquiert ist und zumeist im Widerspruch mit der Lehre des Herzens steht. Für die Bekenner des überlieferten Judentums? Achad Haam ist, wie er sagt, des festen Glaubens, daß es so kommen wird. Aber die eine bibelkritische Untersuchung reicht doch nicht dazu aus. uns ein rechtes Bild davon zu geben, wie er sich die Möglichkeit denkt, daß das sinaitische Gesetz die Umwandlung erfahren soll, nach der jeder Konflikt, den der von dem Geist der modernen nichtjüdischen Kultur genährte Mensch als solchen empfindet, gelöst werden könnte. Schon in dem Beispiel, das er selber wählt, wird er auch nicht die kleinste Strecke einer möglichen Entwickelung, die zu einem Ausweg in dem Konflikte zwischen der ״Schrift:״ und der ״Lehre des Herzens“ führte, beleuchten können. Er wendet sich gegen J. L. Gordon, der in dem Gedicht ״das Tüttelchen von dem Jota“ den R. Wofsi so scharf angreift:, weil er an dem orthographischen Fehler im Scheidebrief das Lebensglück zweier Menschen hat zerschellen lassen. Er meint, daß Gordon dem R. Wofsi bitter Unrecht tut, er habe das Leid, das über diese Menschen kommt, so schwer wie nur einer von uns

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