Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 11 (November 1916)
- Date
- 1916-11-01
- Page
- Seite 609 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Achad Haam und das gesetzestrene Judentum. stücke einer Konfession“ und Bruchstücke einer Konfession. Achad Haam will selbst der recht verstandene Maimonides sein und wir sollen die Lehre des Judentums und die Bedeutung seiner Gesetze in seinem Lichte sehen. Es ist von entscheidender Bedeutung, für die Art, wie der geistige Zionismus sich auswirken soll, wenn wir wissen, wie sein Schöpfer und demgemäß auch seine Mitstreiter über die Lehre vom Judentum im Allgemeinen und, wie wir an dem einen Beispiele nachgewiesen, in einem entscheidenden Punkte im Besonderen denken. Daß wir bei der Gelegenheit auch den gesamten Aufbau der Gedanken als unrichtig erwiesen haben, ist natürlich kein Beweis dafür, daß Achad Haam in all seinen Aufsätzen irrt. Aber als eine Stichprobe dürfte sie willkommen sein, um den Nachweis zu führen, daß seine Beweisführung einer eingehenden Prüfung nicht Stand hält. Und noch ein anderes Beispiel wollen wir bringen, um einerseits zu zeigen, wie Achad Haam auf Grund seiner wissenschaftlichen Überzeugungen vor allem auf Grund der Anerkennung der Entwickelungslehre, sich mit den Vorkämpfern des liberalen Judentums in Anschauungen und Forderungen berührt und andrerseits auch hier den Nachweis zu erbringen, wie wenig folgerichtig auch ein so klarer und scharfer Denker in seinen Forderungen ist, wenn er im Bann der ihn beherrsehenden Idee steht. In seinem Aufsatz: ״Lehre des Herzens“19) führt Achad Haam aus;, daß wir seit zwei Jahrtausenden kein Volk der Literatur, des Schrifttums, sondern nur ein Volk der Schrift sind. Ein Volk der Schrift ist aber ein Sklave der Schrift, eine Gemeinschaft, aus deren Herzen das Leben entflohen ist und die sich gänzlich in die Worte der Schrift eingesponnen hat. Darum ist das Volk samt seiner Literatur in den Zustand der Erstarrung verfallen. Wir haften an dem toten Buchstaben des Gesetzes. Dem Volke fehlt das direkte unmittelbare Verhältnis zwischen dem Herzen und der. Außenwelt, der Schrift anderseits fehlt der aus ienem Ver- 19> A. s. I s. 96ff. 39*