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Jeschurun · 1916-11-01 · Heft 11 (November 1916) · p. Seite 605

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 11 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 605 (sequence 15)
Language
German
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Achad Haam und das gesetzestreue Judentum. 60 5 fließen lassen können. Wie Juda Halevi in seinem Kusari18) darauf hinweist, daß Christen und Muhammedaner aus tiefster religiöser Überzeugung in den Kreuzzügen sieh gegenseitig zerfleischen, die Gesinnung also nicht maßgebend sein kann, sondern die gottgebotene Handlung und diesen Gedanken בונסך רצויה אבל מעשיך אינם רצוים zu einem Angelpunkt seines Werkes macht, so hätte Maimonides, wenn die angegebenen Gründe wirklich die Motive für die Abfassung seines Werkes und seine Auffassung gewesen wären, schwerlich das völlig mit Stillschweigen übergangen18*). Ob man von Maimonides sagen kann, er habe die Yernunffc von jeder Autorität, die ihr übergeordnet ist, befreit, lassen wir dahingestellt. Grundfalsch aber ist es, wenn die Sache so hingestellt wird, daß nach Maimonides7 Auffassung die von ihm aufgestellten Grundsätze selbst nicht für immer verbindlich sind, weil eben aus seiner Theorie, nach der die Vernunft immer der oberste Richter ist, der Grundsatz folge, jederzeit die Glaubenssätze nach der jeweiligen Erkenntnis umzu wandeln. Wir können nicht annehmen, daß Achad Haam auch nur einen Augenblick so unhistorisch gedacht, Maimonides selbst diese Meinung zu vindizieren. Ihm lag der Gedanke der Entwickelung ja völlig fern und ihm war der Inhalt der aristotelischen Philosophie etwas dogmatisch genau so Feststehendes, wie nur die Lehren der Thora. Ihm kam also nie der Gedanke, es könnten die Glaubenssätze je von einem anderen Wissenschaftliehen Standpunkt nachgeprüft werden müssen. Achad Haam kann also höchstens sagen wollen, daß wir für uns diese Kon- Sequenzen aus Maimonides Theorie ziehen müssen. Aber auch das ist nicht richtig. Auch hier segelt er im Fahrwasser der Liberalen, für die das fünfundzwanzigste Kapitel des zweiten Buches des More Nebuchim einfach nicht vorhanden ist. Und dies Kapitel ist doch das Beil all dieser Reden. Hier spricht 18j Kusari I 2. 18») Das gilt ebenso gegen S. Eppenstein a. a. 0., S. 84, wo die Bezugnahme auf Achad Haams Aufsatz, den er sonst öfters zitiert, nachzutragen wäre.

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