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Jeschurun · 1916-11-01 · Heft 11 (November 1916) · p. Seite 604

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 11 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 604 (sequence 14)
Language
German
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604 Achad Haam und das gesetzestreue Judentum. Soweit Achad Haam. Man kann sagen, daß so geistvoll diese Ausführungen sind, so ziemlich alles an ihnen falsch ist. Die Verkündigung der Vorherrschaft der Vernunft ist für Maimonides nicht der Ausgangspunkt seines Wirkens gewesen, sie trat in seinen Werken nur deshalb hervor, weil er mehr als irgend einer seiner Vorgänger unter dem Banne der aristotelischen Philosophie stand, oder besser, weil er sie mehr als irgend einer zu seinem geistigen Eigentum gemacht. Alle unsere mittelalterlichen Religionsphilosophen schrieben ihre Werke nicht, weil sie ein System entwickeln wollten, sondern weil ihnen ein bestimmtes Problem, wenn wir so sagen dürfen, auf den Fingern brannte, weil sie aus einer einzelnen Frage, die die Gemüter bewegte, wenn sie ungelöst bliebe,י eine Gefahr für den Bestand der Religion fürchteten. So auch für Maimonides. Deutlicher kann es nicht ausgesprochen werden als er es in der ״Einleitung1" zum More Nebuchim getan, daß der Zweck seines Werkes ist, der Gefahr einer anthropomorphistischen Auffassung Gottes zu begegnen, noch mehr zeigt uns die Ausführung, daß das in der Tat seine ursprüngliche Ansicht war und daß das ganze System der religionsphilosophischen Erörterungen aller anderen Probleme ihm nur unter den Händen gleichsam sich fügte. Das ganze erste Buch, so ziemlich die Hälfte des Werkes ist -in für uns manchmal unerträglicher Breite der Erklärung der Anthropomorphismen gewidmet17*). Über die Gründe, die Achad Haam für das extreme Betonen des Verstandesmäßigen bei Maimonides angibt, verlohnt sich nicht zu streiten. Maimonides war bei der Abfassung seines More Nebuchim17b) frei genug, als daß er nicht irgendeine Andeutung über den Fanatismus der Muhammedaner oder die Rücksicht auf die Übergetretenen in seinem Werke hätte ein- 17*) Das war auch offenbar das Thema, das Maimonides in seinem geplanten הנבואה D behandeln wollte. Vgl. Pb. Bloch in Maimonides- Gedenkbuch (Moses b. Maimon, Sein Leben usw.), BIS. 13—15. 17 b) Trotz der Ausführungen bei S. Eppenstein, Moses bei Maimonides ein Lebens- und Charakterbild a. a. 0., B. II, S. 85.

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