Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 11 (November 1916)
- Date
- 1916-11-01
- Page
- Seite 602 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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602 Achad Haam und das gesetzestreue Judentum. unmöglich bei klarem Nachdenken der logische Schnitzer unterlaufen, den ihm Albo in seiner Polemik über die Vermengung von Grundprinzipien und abgeleiteten Sätzen in der Aufstellung der dreizehn Glaubenssätze vorwirft. Er stand aber hier unbewußt unter dem Zwange seines nationalen, Fühlens. Er fühlte, daß die Hoffnung auf die nationale Wiedergeburt ein Postulat der nationalen Selbsterhaltung war und ohne die nationale Selbsterhaltung auch die Erhaltung der Religion in Frage gestellt wäre. Das gleiche gilt von, dem Glauben an die Auferstehung der Toten. Jeder Jude empfand im Exil nicht( nur sein eigenes individuelles Leid, sondern das Leid der ganzen Nation. Für seine persönlichen Leiden konnte ihm die Hoffnung auf das Jenseits einen Trost bieten, nicht aber für das Leid der Gesamtheit. Und da das Gefühl für die Einheit der aufeinanderfolgenden Generationen im Leben dier Nation im Einzelnen nicht mehr lebendig war, suchte man Trost in dem Gedanken, daß man bei der Auferstehung der Toten Zeuge sein würde des Glückes, um das entschwundene Generationen in den Leiden der Verfolgungen gekommen waren16). Es bedarf aber gar nicht dieser Einzelheiten um zu beweisen, daß Maimonides von einem starken Nationalgefühl durchdrungen war. Wir haben ausgeführt, daß Maimonides auf Grund seiner Theorie vjoin der Vorherrschaft der Vernunft sich genötigt sah die Religion in Einklang zu bringen mit den Forderungen des Denkens. Wir wissen aber heute, daß; das verstandesmäßige Erkennen nicht dazu ausreicht, den Menschen zu einer mühseligen Airbeit zu bestimmen, daß der Entschluß und die beharrliche Ausdauer des Willens nur erwächst aus der Kraft eines starken Gefühls. Wenn wir nun gesehen, wie die religiösen Satzungen dem Maimonides nur ein Erziehungsmittel sind für die Ertüchtigung im Erkennen und ethischen Handeln, ׳ja daß ein sehr großes Gebiet der Halacha wie die Opfer und alles, was mit ihnen zusammenhängt, nur eine Art kleineres Obel sind und nun die Einzelheiten in den “) a. a. O. S. 31—35.