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Jeschurun · 1916-11-01 · Heft 11 (November 1916) · p. Seite 598

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 11 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 598 (sequence 8)
Language
German
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598 Achad Haam und das gesetzestreue Judentum. wenn Achad Haam wohl zu keiner Gruppe innerhalb des Judentums weniger neigt als zu der des ,liberalen ,Judentums — in der Anschauung über Entstehen und Entwickelung des geschichtlichen Judentums sind sie der gleichen Meinung und damit in der Verwerfung aller überlieferten Dogmen9). Auch in einem anderen Punkte geht er mit den Liberalen zusammen, indem er unseren zweifellos größten Geist während des Mittelalters: Maimonides für das Recht, in religiösen Fragen nur den Forderungen des Verstandes zu folgen, in Anspruch nimmt. Auch hier geht er scheinbar einen völlig anderen Weg als die liberalen Beurteiler des Maimonides. Aber, wo es sich darum handelt, das Problem, das uns der Widerspruch zwischen dem Maimonides des Gesetzeskodex Mischne-Thora und dem Maimonides des von Aristoteles so abhängigen philosophischen Werkes More Nebuchimi aufgibt, zu lösen, schwankt er keinen Augenblick, die Ent- Scheidung dahin zu treffen, daß Maimonides’ philosophisches System für ihn das höchste bedeutete, und die unendliche Mühe, die er sich mit der Kodifizierung der Thoragesetze gab, eigentlich unbegreiflich ist und nur zu erklären ist aus dem heißen nationalen Gefühl, das ihn beseelte und ihn dazu trieb, dem nationalen Gut des Judentums die würdige Form zu geben10). Wir möchten bei dieser pragmatischen Würdigung des Maimonides durch Achad Haam verweilen, um an einem Beispiel zu zeigen, wie anfechtbar auch die Ausführungen eines so geistvollen Mannes sind, wenn sie sich in den Dienst einer vorgefaßten Idee stellen. Maimonides Werk, meint er, bedeutet eine ungeheure Umwälzung in der Geschichte des jüdischen mittelalterlichen Denkens. Vorher war die Philosophie die Magd der Theologie, dachte und glaubte man nach dem Grundsatz credo quia 9) Vgl. Richtlinien usw. V und mein ״Gesetzestreues und liberales Judentum“ S. 62f. 10) A. P. D. IV 20—37.

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