Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 11 (November 1916)
- Date
- 1916-11-01
- Page
- Seite 592 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2292929-2292955-2292967--01730-2294990- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
592 Achad Haam und das gesetzestrene Judentum, großzügige Betrachtung zur siebenhundertjährigen Gedenkfeier des Maimonides beginnt. Nie sei in den früheren Zeiten der hundertjährigen Wiederkehr dieses Tages gedacht worden, obwohl jene Zeiten doch Maimonides im Herzen näher gestanden, besser weil sie ihm näher gestanden2). Wir tun — vor allem wohl dem westeuropäischen National judentum kein Unrecht, wenn wir von ihm. aussagen, daß es von dem Geiste Achad Haams sich nicht genügend hat durchdringen, lassen. Achad Haam steht ihm daher fern genug, daß es sich in seinem׳ Sinne das Recht erworben hat, sein Jubiläum zu feiern. Wir, die Vertreter des gesetzestreuen Judentums können sein Jubiläum nicht feiern. Denn wir würden damit zum Ausdruck bringen, daß sein Lebenswerk als Ganzes zur Erhaltung und zur Förderung des Ideals beigetragen, das uns voranleuchtet. Aber auseinandersetzen sollen und müssen wir uns mit seiner Ideenwelt. Das soll im Folgenden geschehen. Wenn wir da eine oft scharfe Polemik nicht werden vermeiden können, so ist das in dem großen Gegensatz der Anschauungen begründet. Nur für den, der Achad Haams Schriften nicht kennt, bedarf es der ausdrücklichen Versicherung, daß wir ihn als originalen Denker und Meister der neuhebräischen Sprache, als einen Mann reiner Gesinnung und des Herzenstaktes schätzen. Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, die gesamte Ideenwelt Achad Haams zu zergliedern, seine umfassende Wirksamkeit, die er als Erzieher eines ganzen Geschlechts* von hebräischen Schriftstellern geübt, seinen Einfluß auf die Wandlung, die der praktische Zionismus genommen hat, darzustellen. Wir beschränken uns darauf, seine Stellung zu den religiösen Problemen im Judentum zu beleuchten. Einer solchen Stellungnahme konnte Achad Haam nicht wie soviele andere zionistische Schriftsteller ausweichen, da die Grundidee, für deren Verwirklichung er ein ganzes Leben hindurch *) A. P. D. IV S. 1.