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Jeschurun · 1916-10-01 · Heft 10 (Oktober 1916) · p. Seite 583

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 10 (Oktober 1916)
Date
1916-10-01
Page
Seite 583 (sequence 57)
Language
German
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Religion und Religiosität. 533 Dies Zitat nur zum Hinweis, daß man in christlichen Eireisen schon umzulernen beginnt. Kehren wir zu unserem Gedanken zurück! Martin Bub er sieht in dem Gesetz die Fessel, die den seelischen Schwung, die lebende Kraft der Religiosität darniederhält, wir glauben daß gerade der Gesetzescharakter unserer Religion die innere Freiheit gegeben und sie zu ihrer weltgeschichtlichen Aufgabe befähigt hat. Von der Bedeutung der religiösen Gemeinschaft haben wir oben gesprochen. Nun trägt aber Religiosität, wie hervorgehoben, stets einen durchaus persönlichen Zug, der im Grunde jeder Einordnung widerstrebt, keinen gemeinschaftbildenden Faktor in sich birgt. Hier gibt es zwei Wege der Vermittlung. Entweder eine gemeinsame Vorstellungswelt, die mögliehst eng umgrenzt werden muß, wenn sie das Ziel religiöser Verbundenheit wirksam machen will, oder den gemeinsamen Kult und das religiöse Symbol. Das Judentum hat im wesentliehen den zweiten Weg gewählt — und mit vollem Recht. Jede Lehre, die er übernehmen soll, bedeutet dem freien, aufrechten Geist einen Zwang, einen Eingriff in das souveräne Recht der menschlichen Vernunft, das Symbol kann jeder mit dem Inhalt, mit dem Reichtum füllen, den seine eigene Seele trägt. Das Wort verhallt, ist hart, unbeugsam, jedem Miß- Verständnis ausgesetzt, das Symbol wirkt dauernd, elastisch, jedem verständlich, trägt die warme Farbe des Lebens. Das Wort ergreift nur Auge und Ohr, das Symbol fordert den handelnden Menschen selbst. Jede Lehre kann überwunden werden von der geistigen Entwicklung der Zeit, das Symbol spricht zu jedem Alter, jedem Geschlecht, jedem Stand und jedem Beruf. Es ergreift das Gemüt des Kindes, den Mann der Arbeit, es wird auch dem reifen Denker immer neue seelische Schätze bieten. Es gibt die Gemeinschaft, die alle umschlingt, ohne geistige Fesseln zu schmieden, die die großen Kräfte der Religion ins Volk, ins Leben des Alltags trägt. Das war die Aufgabe des Judentums, ein heiliges Volk, eine heilige Gemeinde zu gründen, darum ward

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