Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1916)
- Date
- 1916-10-01
- Page
- Seite 575 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Religion und Religiosität, 575 wissenschaftlichen Erkenntnis geführt, haben Gemüt und Geist ihres Volkes gestärkt und es befähigt, den Kultur aufgab en allzeit gerecht zu werden. Saadia aber hat in schweren Kämpfen die Einheit des Judentums gerettet, und durch seine Willensstärke auch seines Geistes einen Hauch ihm eingeflößt, den aller Zeiten Stürme nicht verwehen konnten. Er hat die festen Stützen für den Bau des zugleich thoratreuen und doch auch wissenschaftlich durchgebildeten Judentums gegeben, er ist, wie Abraham Ibn Esra ihn treffend mit der im Talmud auf R’Jehuda ben Hai geprägten Bezeichnung rühmt, der ראש המדברים בבל מקום, der, wie zu seiner Zeit, so für alle Geschlechter von wahrer jüdischer Geistes- und Charaktergröße vernehmlich spricht. Ili!!!l!!!llii!lll!ll Religion und Religiosität. Von Harry Levy, Berlin. Religion und Religiosität — — Der Gedankenwelt des Mittelalters war solche Unterscheidung kaum bewußt, und jeder gesunde Geist hätte unser Thema sicherlich Sophismus gescholten, theologische Spitzfindigkeit. — Das Individuum führte noch kein eigenes Leben, hatte nicht Eigenrecht, noch Eigenwert. Ein Gesamtheitsbewußtsein beherrschte die Zeit, deren Charakter tief verankert war im Erlösungsglauben des Christentums, und die universale Tendenz der Kirche, ein Erbe, politisch und geistig, des römischen Reichs, hielt auch die Gedankenwelt des Einzelnen in ihrem Bann. — Was das Staatsbewußtsein im alten Caesarenreich, war das Gemeindebewußtsein in der neuen kirchlichen Organisation: — Das widersprachlose Aufnehmen des Gesamtwillens in den Eigenwillen des Einzelnen. ״Außer der Kirche gibt es kein Heil“ — das ist der Niederschlag der religiösen Stimmung der Zeit. Noch ein zweites ist hier wesentlich: Glaube, nicht Andacht, stand im Mittelpunkt der Religion, Intellekt, 37