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Jeschurun · 1916-10-01 · Heft 10 (Oktober 1916) · p. Seite 566

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 10 (Oktober 1916)
Date
1916-10-01
Page
Seite 566 (sequence 40)
Language
German
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566 Charakterbilder unserer großen Gesetzeslehrer. oder פסח auf Montag, Mittwoch, Freitag fallen würde, um zwei Tage verschoben werden muß, wollte Ben Meir die Ver- Schiebung erst bei 642 Stundenteilen vorgenommen wissen. Jedenfalls war die Differenz eine ganz geringfügige, und wir gehen nicht fehl in der Annahme, daß es Ben Meir nur um eine Losreißung von der Autorität Babyloniens zu tun war, indem er das ehemalige Vorrecht Palästinas betreffs der Fest- Setzung des Neumondes und der Schaltjahre, das im Laufe der Zeit geschwunden war, wieder herstellen wollte. Saadia, von den Absichten Ben Meirs unterrichtet, verwarnte ihn von Aleppo aus, setzte sich auch mit den Schulhäuptern in Babylonien in Verbindung. Inzwischen ließ der kühne Palästinenser durch seinen Sohn den Cheschwan und Kislev des Jahres 1232 der seleucid. Aera, 921 d. ü. Z., als הסרים erklären, nahm auch Veranlassung, bei dem alljährlich am Hoschanarabba-Tag auf dem Olberg stattfindenden feierlichen Umzug seine von der babylonischen Berechnung abweichende Festsetzung öffentlich zu bekräftigen. Bei der nun drohenden Spaltung innerhalb des Judentums, — zumal Ben Meir auch in Babylonien Anhänger besaß, — die doch eine der einschneidendsten religiösen Fragen betraf, und auf die die Karäer mit unverhohlener Schadenfreude blickten, war es nun Saadia, der in äußerst wirkungsvoller Weise gegen den Neuerer auftrat. Es war eine merkwürdige Fügung, daß der aus Aegypten stammende Gelehrte, der zunächst ein Wissen in denjenigen Gegenständen sich angeeignet hatte, die gerade dem mit seiner Heimat eng verbundenen Palästina eigneten, nun mit seinen ausgezeichneten Kenntnissen des Kalendersystems den Lehrern Babyloniens zur Seite trat, um die gefährdete Einheit des Judentums zu retten. Saadia lag eben jeglicher Particularismus fern, er trat nur für die Ungeteiltheit der religiösen Betätigung ein und knüpfte so an jene bedeutungsvolle Epoche des amoräischen Zeitalters an, wo, trotz der natürlichen Wesens Verschiedenheit von א״י und בבל, doch ein einheitliches Streben die Gelehrten beider Länder verband, so daß ein Geist aus den Discussionen der beiden Talmude spricht, — wie dies zuletzt in glänzender

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