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Jeschurun · 1916-10-01 · Heft 10 (Oktober 1916) · p. Seite 565

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 10 (Oktober 1916)
Date
1916-10-01
Page
Seite 565 (sequence 39)
Language
German
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Charakterbilder unserer großen Gesetzeslehrer. 565 dort üblichen geringen Einschätzung des ägyptisch־palästinisehen Judentums viel besagen wollte. Bald aber bot sich ihm Gelegenheit, in eine der schwerwiegendsten Angelegenheiten, die die damalige Judenheit im Orient beschäftigte, einzugreifen, und zwar in den durch einen gewissen Ben Meir angeregten Kalenderstreit.1) In Palästina machten sich am Anfang des 10. Jahrhunderts jedenfalls Bestrebungen geltend, sich der bisherigen geistigen Autorität Babyloniens zu entziehen. Den willkommenen Anlaß gab mutmaßlich der Streit, der damals innerhalb des babylonischen Judentums zwischen dem Exilarchen David ben Sakkai und den Anwärtern auf das Gaonat ausgebrochen war und auch der Umstand, daß letzteres, besonders in dem dem Khalifat zu Bagdad nahe־ stehendem Sura, keine hervorragenden Vertreter aufweisen konnte, denen sich die Glaubensgenossen in den anderen Län־ dern hätten beugen wollen. Welche innerpalästinensische Vorgänge zu dem Auftreten Ben Meirs geführt haben, darüber fehlt es uns an jeder sicheren Grundlage. Wir wissen nur so viel, daß sich Ben Meir auf eine in Palästina gebräuchliche Rezension der für die Neumondsbestimmung in Betracht kommenden sogen, ״vier Pfortenארבע שערים) ״) stützte, die nur in formaler Hinsicht von der der Babylonier abweicht. Während letztere zum Ausgangspunkt der Berechnungen und der sogen. דחיות den Molad des Tischri nahm, ist in der palästinensischen Rezension der Monat Nissan maßgebend, und, im Gegensatz zu der Bestimmung der Babylonier, daß, wenn der Molad des Tischri 641 Stundenteile nach Mittag eintritt, der Neumond um einen Tag, resp., wenn ר״ה auf Sonntag, Mittwoch, Freitag, x) Das im folgenden kurz Dargestellte gehört zu den neuerschlossenen Tatsachen, die uns größtenteils die Geniza in Kairo geboten hat. Das Verdienst, 1ms zuerst mit dem bis jetzt in den gangbaren Geschichtsbüchern noch nicht erwähnten Ereignis bekannt gemacht zu haben, gebührt dem gelehrten Staatsrat v. Harkavy in Petersburg, der aus trümmerhaften Resten in der dortigen Kaiserlichen Bibliothek einiges hierüber mitteilte. Das ganze einschlägige Material ist eingehend behandelt von Abr. Epstein in der Revue des Etudes juives Bd. 42, u. Bornstein in dem ס׳דליובל zu Ehren Sokolows.

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