Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1916)
- Date
- 1916-10-01
- Page
- Seite 560 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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560 Die Neuordnung des G־eschicl1tsunterricl1ts u. s. w. VII. u. A. nicht vorüberzugehen, vermag י sich das wunderbare Spiel der Kräfte in dem Jahrhunderte währenden, mit allen Mitteln geführten Kampf zwischen Kaisermacht und Kirchenherrschaft nicht zu vergegenwärtigen, ohne von einem Gefühl der Bewunderung, der innersten Teilnahme ergriffen zu werden. Aber vermag der Geschichtsunterricht in der Schule gleiche Empfindungen zu Wecken, ein auch nur einigermaßen klares Bild von den verschlungenen Wegen, die diese Kämpfe gingen, zu zeichnen? War es nicht gej boten, hier die Meisterschaft in der Beschränkung zu suchen, die Charakterbilder der hervorragendsten Helden dieser Tragödie scharf herauszuarbeiten, die Hauptpunkte des Streits scharf zu umreißen, von dem Hin und Her sder einzelnen Phasen aber zu schweigen und nur das Endergebnis, die verhängnisvolle Aushöhlung der Kaisermacht, gebührend zu unterstreichen? War es zu rechtfertigen, daß ׳man die Schüler zu Richtern in diesem .Streit zwischen Staat und Kirche aufrief, den sie mangels Kenntnis der archivalischen Urkunden lediglich nach konfessioneller Schichtung entschieden, anstatt ihnen auch diesen Vorgang wie so zahlreiche andere katastrophale Ereignisse der Weltgeschichte lediglich als einen Baustein, den die Vergangenheit zum Weltgebäude der Zukunft beisteuert, erscheinen zu lassen? Diese Beispiele lassen sich vermehren. Aber die falsche Methode, die in ihnen bisher eingeschlagen wurde, hat es verschuldet — und damit berühren wir den Punkt unseres speziellen Interesses —, daß bisher an den Preußischen höheren Schulen den jüdischen Oberlehrern die Erteilung des Geschichtsunterrichts versagt blieb. Daß aus ,,nationalen“ Rücksichten auch der Unterricht im Deutschen nur selten einem jüdischen Lehrer anvertraut wurde, sei in diesem Zusammenhang nur nebenbei verzeichnet; nach diesem Kriege und den Blutopfern, die die jüdischen Lehrer ihrem Staat gebracht, darf man wohl hoffen, daß( der Vorwurf mangelnder nationaler Empfindungsfähigkeit ihnen erspart bleiben wird; erhoffen wir ja gerade von der Befreiung des Geschichtsunterrichts