Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1916)
- Date
- 1916-10-01
- Page
- Seite 559 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Neuordnung des Geschichtsunterrichts u. s. w. 559 unter speziell religiösen Vorstellungen stand und Gesichtspunkte in ihnen vorangestellt wurden, die weit mehr der Kirchengeschichte als der Weltgeschichte zugehören. Wir orthodoxen Juden sind gewiß die letzten, einer Verweltlichung der Schule etwa im Sinne französischer Toleranzideen das Wort zu reden, sondern wollen;, daß der Schulbetrieb, wie er sich andere Ideale in den Herzen der Schüler zu pflegen angelegen sein läßt, erst recht afa dem höchsten aller Ideale, dem religiösen, nicht vorübergehe. Aber ein anderes ist die Pflege der religiösen Empfindung, ein anderes die Vertiefung in confessionelle Dogmatik; jene darf und kann und soll als höchster Leitgedanke den gesamten Unterricht in allen seinen Fächern durchdringen; diese gehört in den Religionsunterricht, wo sie, von “der gebotenen Rücksichtnahme auf andersgerichtete Interessen befreit, nur ihren eigenen Geboten Gehorsam schuldet. Und doch hat bisher der Geschichtsunterricht diese Unterscheidung nicht beachtet, wohl auch nicht beachten sollen! Um nur einige Beispiele zu! nennen: die Kreuzzüge sind als Ausdruck einer Zeit- und Geistesrichtung, die zwischen religiöser Sentimentalität und tierischroher Zerstörungswut, zwischen edelster, ritterlichen Sinnesäußerung und beschämend verächtlicher Triebhandlung, zwischen höchster moralischer Kraftanspannung und erbärmlichster Blässe des Entschlusses hin- und herschwankte, gewiß nicht im Geschichtsunterricht zu missen und zum Verständnis des Erschöpfungszustandes, der ihrer Periode folgte, sicher unentbehrlich. Aber dieses Ergebnis für den Schüler zu erzielen, bedarf es gewiß nicht der vielen Zeit und Mühe, die bisher auf diese, im Grunde doch recht trostlose Geschichtsepoche verwendet, nicht der Belastung des Gehirns mit Daten und Zahlen, wie! sie bisher gefordert wurde; . . . Ein! anderes Beispiel: Der Investiturstreit gehört für den Forscher sicherlich in allererster Reihe zu denjenigen Gebieten der Geschichte, bei denen Geist und Herz in gleicher Weise zu ihrem Recht gelangen, und selbst der kühlste, nüchternste* Denker vermag wohl an Gestalten wie Heinrich IV, Gregor