Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1916)
- Date
- 1916-10-01
- Page
- Seite 557 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Neuordnung des Geschichtsunterrichts u. s. w. 557 IV. Die endgiltige;Stellungnahme des Einzelnen zu der ״Neu- Ordnung“ muß freilich von seiner individuellen Auffassung von Zweck und Ziel des Geschichtsunterrichts beeinflußt werden, und je nachdem man diesen Unterricht für die eine oder die andere Idee dienstbar gemacht zu sehen wünscht* wird auch das Urteil über jene zustimmend oder verneinend ausfallen. Schiller in seiner ״akademischen Antrittsrede“, die dieses Problem behandelt (״Zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“) hat nun diese Frage so beantwortet, daß aus der Kenntnis der Geschichte ״ein edles Verlangen in uns erglühen solle, zu dem reichen Vermachtnis von Weisheit, Sittlichkeit und Freiheit, das wir von der Vergangenheit überkamen und reich vermehrt an die Folgeweit wieder abgeben müssen, auch aus unseren Mitteln einen Beitrag zu legen und an dieser unvergleichlichen Kette, die durch alle Menschengeschlechter sich windet, unser fliehendes Dasein zu befestigen“. Man sieht: in diesen Worten lebt und webt jener Geist sublimsten Weltbürgertums, der in der Erfüllung der allgemeinmenschlichen Ideale das alleinberechtigte Ziel allen Strebens sieht und die Linien, die Volk von Volk, Staat von Staat scheiden, in der geschichtlichen Betrachtung nicht achtet. Freilich gelten die Worte dem zünftigen Studium der Geschichte, wie es damals die Universität betrieb; für die Schule hätte vielleicht auch Schiller, andere Leitsterne gezeichnet. Die Entwicklung der Zeiten ist über dieses Stadium hinweggeschritten; in den Hallen der Universitas litterarum ist kein Raum m'ehr für die Universalgeschichte, an deren Stelle die minutiöse, mit deutscher Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit betriebene Durchforschung allerkleinster Provinzen ihres Weltreichs getreten ist. Leopold v. Ranke war der letzte, der Universalgeschichte lehrte; er hat keinen Nachfolger gefunden. Das Erbe der Aufgabe, die Schiller vorgezeichnet, aber hatte bis zu unseren Tagen, bis zu der ״Neuordnung des Geschichtsunterrichts“ gerade die Schule übernommen und bewahrt; sie hat Universalge-