Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1916)
- Date
- 1916-10-01
- Page
- Seite 550 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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5 50 Oer Minhag, an Halbfesttagen keine Hülsenfrüchte zu genießen. gegen diejenigen, welche am Purim Linsen oder Bohnen genießen, nicht so ernst genommen werden, wie der fröhlichgelaunte Dichter dies zum Ausdruck bringt. Der ganze Charakter seines mit ליל שכורים הוא זה! הלילה Poems läßt uns erkennen, daß es sich hier um ein poetisches Erzeugnis handelt, das bestimmt war, bei der Eestmahlzeit am Purim die Heiterkeit zu fördern, ähnlich dem bekannten Gabirolscherzlied שבעים הכלה דזגבורים. Zunz (Literaturgeschichte S. 485) urteilt ebenfalls nicht anders: ״Offenbar war diese Parodie der Festmahls-Freude nicht dem öffentlichen Gottesdienste gewidmet.“ Der Dichter R. Menachem ben Aron ist weiter nicht bekannt und wir wissen nicht ob er eine rabbinische Autorität oder nur ein lustiger Bochur war und deshalb können wir sein Anathem über Linsen- und Bohnengenuß am Purim nicht ohne Weiteres als Beweis für die Berechtigung des Minhag gelten lassen. Aber trotzdem dürfte es gestattet sein demselben zu entnehmen, daß dieser Minhag bestand oder daß man ihn einführen wollte. Das Letztere scheint mir das Wahrscheinlichere, denn nach 2 ,095 ש״ע או״ח soll man am Purim (זרעונים) Gemüse essen, zu Erinnerung an das Gemüse, das Daniel (der nach Talmud Babli Megiila 15a. mit Hathach identisch ist) und seine Genossen als Ersatz für die Speisen der königlichen Tafel erhielten. Unter זרעונים sind aber auch Hülsenfrüchte zu verstehen, wie tatsächlich 1099 § יוסף אובל^ן schreibt: אכן טוב לאכול כדיני קטניות שלא יהא נראה שהוא הסעודה העיקרי! גם הוא זכר לזרעוני דניאל. Auch die Commcntare zu Daniel I 12 verstehen unter זרעונים Hülsenfrüchte. So die Raschi, Rabbenu Sadiah und Ibn Esra zugeschriebenen Commentare. Raschi schreibt כלן הזרעים נלין קטניות, Rabbenu Sadiah כלן הזרועים הם פול הלבן ופול הבלצרי ופול העב והגרלבון והאפונים והעדשים והיכלנבין, ibn Esra תן לנו זרענים הם גרגרים כשיזקינו (vgl. I. E. I 15). Demnach steht der Minhag am Purim u.s.w. keine Hülsenfrüchte zu genießen im Widerspruch mit einem andern vielleicht im Talmud Megilla begründeten Minhag solche am Purim wohl zu genießen. Ich nehme an, daß wie bei so vielen Minhagim im Laufe der Zeit eine Verwirrung entstanden ist. Ursprünglich waren Linsen von dem Purimmalil — und wie wir gleich sehen werden mit Recht — von der Purimtafel ausgeschlossen. Später hat man alle Hülsenfrüchte als am Purim und auch an andern Fest- und Halbfesttagen von der Tafel verbannen wollen, wie dies auch unser R. Menachem ben Aron tut. Die Linsen von der Purimsudoh fernzuhalten, hat seine Berechtigung; bilden sie doch die Speise der Trauenden, wie schon der Midrasch berichtet: Jacob hatte am Tage, da Abraham starb seinem Vater als Trauerspeise סעודת הבראה Linsen gebracht, und Linsen bilden bis auf den heutigen Tag die Speise für סעודת הבראה und vielfach für סעודה הבלפסקת am Erew Tischo beaw vgl. Jore Deah 378, 9 und Orach Chaim 552,5.