Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1916)
- Date
- 1916-10-01
- Page
- Seite 549 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Minhag, an Halbfesttagen keine Hülsenfrächte zu genießen. 549 anderen gegenüber unerbittlich zu zeigen. Eab schloß das aus dem Schriftvers (Jes. 55,6): Suchet den Ewigen, während er sich finden läßt, wenn er gefunden sein will. Gottes Herrlichkeit erfüllt die ganze Welt und ist ohne jeden Unterlaß wirksam unter den Menschen. Und doch — mögen wir es nun begreifen oder nicht — haben wir die Vorstellung, daß Gottes Herrlichkeit im Heiligtume ihre ausgezeichnete Stätte aufgeschlagen hat, daß Er uns in den Zeiten, die Er dafür bestimmt, näher ist als sonst. Ja, Gott läßt sich zu den sündigen Menschen, die nicht zu Ihm den Weg gefunden haben, in den Bußtagen hernieder. Er wartet, daß wir nur die Augen aufsclilagen, den Blick zu ihm wenden und Ihn um Vergebung bitten. Schier unfaßbar ist's, daß es Gott ist, der zu uns kommt. Hoch unfaßbarer aber und eben ein todeswürdiges Verbrechen, wenn wir in solchen Tagen nichts mit Gott zu tun haben wollen, wenn wir die Herrlichkeit Gottes כנביכל stehen lassen und uns in der gewohnten Arbeit nicht stören. Aus dieser Arbeit selbst, die dann entweiht und eine Schmähung Gottes ist, erwächst uns der Tod, wo doch ein Erheben für eine kurze Spanne Zeit, ein kleiner Schritt, zur Wiedervereinigung mit Gott, zur höchsten Glückseligkeit geführt hätte. Der Minhag, an Haibfesttagen keine Hiilsenfrüchte zu genießen. Von Eabbiner Dr. M. L. Bamberg er. Schönlanke. In vielen Gegenden vermeidet man es an Tagen, denen halbfestlieber Charakter durch Weglassung des תחנון verliehen ist, Hülsenfrüchte zu essen. Bis jetzt habe ich eine Quelle für diesen Minhag nicht finden können. Nur im Machsor Vitry ist ein Anhaltspunkt dafür vorhanden, dessen Zuverlässigkeit mir aber doch nicht ganz einwandfrei. S. 583 wird dort ein מעריב לפורים mitgeteilt und zwar ממעמד ר׳ מנחם בר אהרן ז״ל. Darin sind die Strophen enthalten: ארור האיש אשר יאכל עדשים בלילי פורים במועדים ובחדשים ארור חאיש אשר יאכל פולין כתושים מפי המלך וההגמון והראשים כל בית ישראל יעלו עליו חמושים לגרשו מתוך קהל קדושים♦ ״Verflucht der Mann, der am Purim, an Festtagen und an Neu- ״monden Linsen genießet! Verflucht der Mann, der geschrotete Bohnen ״genießet, im Aufträge des Königs des Führers und der Häupter soll ״das ganze Haus Israel wieder ihn gerüstet hinaufziehen, um ihn aus ״der Gemeinde der Heiligen zu vertreiben.“ Es braucht wohl nicht gesagt werden, daß Fluch und Drohung