Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1916)
- Date
- 1916-10-01
- Page
- Seite 547 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2292955-2292966--01684-2294943- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aus unserer Haggada-Literatur. 547 er hilflos und verlassen umher und fristete sein Leben von den milden Gaben, die mitleidige Menschen ihm reichten. Eines Tages kam er vor die Tür eines reichen Mannes. Dieser erkannte in ihm den König und lud ihn mit viel Ehrerbietung und Umständlichkeit bei sich zu Gaste. Und bereitete ihm ein Mahl, wie es der König in seinen glücklichen Tagen nicht reicher und schöner gekannt hatte. Und bei Tisch, da erinnerte er den König an seine vergangenen Tage: ״Weißt du noch, wie schön es war, als Du auf dem Throne saßest und Dein Ruhm durch alle Lande ging, wie Du Großes tatest und Dein Name gefürchtet war von allen Völkern, und jetzt . . . .? Hart trafen diese Worte das Herz des Königs und wühlten in ihm verhaltenen Schmerz auf, weinend erhob er sich vom Tisch und wankte stumm hinaus aus diesem ungastlichen Hause. Am anderen Tag da kam er vor die Hütte eines armen Mannes. Der sprach zu ihm: ich bin arm, 0 König, und kann Dich nicht so ehren, wie ich gerne möchte, wenn Du mit Brot und Salz in meinem Hause Dich begnügen möchtest, werde ich mit Freuden den Tisch Dir decken. Dankbar nahm der König an, und als sie beim kargen Mahl saßen, da würzte es der arme Mann mit Worten aus seinem reichen tiefen Herzen, sprach tröstend zum König von glücklicher Zukunft, von der Liebe Gottes und seiner Verheißung, daß die Herrschaft nicht untergehen solle in Davids Geschlecht. Seine warmen Worte taten dem König wohl und waren ihm Gaben, reich wie aus Fürstenhand, und Salomo schrieb ein in das Buch seiner Sprüche: ״Besser ein Gericht Kohl, wo Liebe ist, als ein gemästetes Rind und Haß dabei.“ Jalkut zu Prov. 15, 17). 3. Treue. Hirten waren auf dem Felde und hatten zum Mahle einen Topf mit frischer Milch gefüllt. Als sie auf eine kurze Weile die Hütte verließen, um draußen nach dem Rechten zu sehen, schlich eine Schlange sich herein, trank von der Milch