Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1916)
- Date
- 1916-10-01
- Page
- Seite 543 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292955-2292966--01680-2294939- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
עוכלדזה מל בלצוה 543 Diese Liebe ist aber und muß. wie wir gesehen haben, immer identisch sein mit der Freude. Wie Israel sich seines Gottes und der Thora freut, so Gott auch seiner Geschöpfe im allgemeinen und seines Volkes im Besonderen. ,.Der Ewige freut sich seiner Werke“ 12) dieser Ton klingt immer wieder durch Bibel und Talmud. Die anthropomorphistische Art von Gott zu reden, die ja schon darin liegt, daß man Gott überhaupt ein Fühlen zuspricht, ist wohl nirgends stärker ausgebildet als in den Erzählungen von diesem im altdeutschen Sinne ״gemütlichen“ Verhältnis zwischen Gott, der Thora und Israel. Gott beschäftigt sich mit der Thora, legt Tefillin, 13) usw., das sind nur einige Beispiele, die dem Nichtjuden blasphemisch erscheinen, dem aber, welchem die Idee der Einheit zwischen Gott, Thora und Israel aufgegangen ist, als der innigste Ausdruck für die Liebe, die sie zu einander hegen für die Freude, die sie für einander empfinden, das Größte und Schönste sagen. ״ קודשא בריך הוא אורייתא וישראל הדder Heilige, gelobt sei Er, die Thora und Israel ist eins“ ist zwar in der Form ein Ausspruch aus späterer Zeit, dem Inhalt nach beherrscht er die Denkweise des Judentums von den ältesten Zeiten an. Man könnte meinen, daß dieser Inhalt der שכיחה של מציה wie wir sie allgemein gefaßt haben, die aus der unendlichen Liebe zu Gott entspringende Freude allen Religionen eigentümlich sei. Und doch glauben wir. daß auch sie eine spezifisch jüdische Eigenart ist. ,Wir möchten zur Begründung eine Erörterung aus Maimonides Einleitung in Aboth heranziehen15). M. wirft die Frage auf, wie könne man den Widerspruch erklären, daß die heilige Schrift in־ Übereinstimmung mit der Philosophie die Begierde nach dem Bösen für verwerflich ansieht und den höher stellt, der 12) Ps. 104. 31. 13) Ab. s. 3b Berachoth 6a Es bedarf wolil kaum des ausdrücklichen Hinweises, daß unsere Weisen derartige Bilder nie wörtlich gemeint haben. Es ist traurig, daß man die — wir können es nicht anders nennen — törichten Angriffe nicht jüdischer Gelehrten auf diese Stellen immer von Neuem zurückweisen muß. 15) מוכלכה פרקים VI. 35