Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1916)
- Date
- 1916-10-01
- Page
- Seite 542 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292955-2292966--01679-2294938- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
542 טבלחדז בצל בלצוה Diese Freude nun, die aus der Liebe zu Gott entspringt und mit ihr eins ist, begegnet uns in Bibel und Talmud auf Schritt und Tritt. ״Auf, laßt uns Gott zujubeln, laßt uns zujauchzen dem Felsen unseres Heils. Laßt uns mit Dank vor sein Angesicht kommen, und mit Gesängen ihm zujauchzen . . . Er, in dessen Hand die Gründe der Erde sind und dem die Spitzen der Berge gehören3). ״Laß jubeln und sich freuen über dich alle, die dich suchen, mögen immerdar rufen: groß ist Gott, die nach deinem Heil verlangen״ .(4 ״Du aber wirst frohlocken über Gott, des Heiligen Israels wirst du dich rühmen״ .(5״Es jauchzt mein Herz durch Gott״ .(6״Aber ich will dennoch in Gott frohlocken, will jubeln in dem Gotte meines Heils7״). Das sind nur einige Klänge aus dem hundertstimmigen Chor der Propheten- und Psalmenworte. Gottes Herrlichkeit hat sich in der Thora offenbart und, wenn man so sagen darf, verkörpert. Die Liebe zur Thora und die Freude an der Thora ist so identisch mit der Liebe zu Gott und der Freude in Gott. ״Heil dem Manne, der an der Thora Gottes seine Lust hat״ singt der erste Psalm und schlägt so das Motiv an, das unzählige Mal in der Bibel wiederklingt. "Wieviel Wendungen findet der 119. Psalm, um die Liebe zur Thora, die Freude an Gottes Geboten zu schildern, wie vielfach wird das eine Wort variiert: ״Meine Wonne sind deine Gebote, weil ich sie liebe8״). Und der Talmud? Das Psalmenwort: ״Heil dem Manne, der an seinen Geboten unendliche Lust hat9״) unterstreicht er: ״an seinen Geboten und nicht an dem Lohn für seine Gebote10 ״) und legt damit den schärfsten Protest ein gegen die von unseren Gegnern vertretene Auffassung, als ob die Übung des Thoragesetzes aus der Hoffnung auf künftigen Lohn sich herleite und an sich als Last empfunden würde. Wiederum ist hier Talmud und Midrasch, man möchte sagen, nur ein einziger Hymnus auf die Liebe zu Gott und zu seiner Thora11). s) Ps. 95, lff. *) Ps. 40,17. ף Jcs. 41, 16. 6J I. Sam. 2,1. ך) Hab. 3,18. 8) Ps. 119, 47. 9) Ps. 112, 1. 10} Aboda s. 19a vgl. Midr. Tehillim ed. Buber S. 468 ״der nicht das Gebot in Zwang sondern in Freude übt.“ ״) Vgl. Weber Jüdische Theologie II. Aufl. S. 25ff.