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Jeschurun · 1916-10-01 · Heft 10 (Oktober 1916) · p. Seite 539

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 10 (Oktober 1916)
Date
1916-10-01
Page
Seite 539 (sequence 13)
Language
German
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הזבלחד! הזל בלצוד} 539 gilt dies für eine profane Freude unbedingt, auch für die Zeit, wo der Tempel noch stand.21) Nun ist hier mehr an die ausgelassene Freude gedacht, deren Verbot als ethische und religiöse Forderung berechtigt erscheint. Diese Forderung hat auch im Volksleben Wurzel geschlagen. Nach dem Peßach- und Laubhüttenfest werden drei Fasttage abgehalten, als Tage der Selbstbesinnung, um Vergehen, deren man sich im Festetrubel eben hat zu Schulden kommen lassen, zu sühnen.22) Haben wir doch ein Vorbild dafür in dem Verhalten Hiobs, von dem die heilige Schrift rühmend berichtet, er habe nach den Festgelagen seiner Kinder Opfer gebracht, ״vielleicht hätten meine Kinder gesündigt und in ihrem Innern Gott gelästert.“23) Drückender und lähmender erscheint das Verbot, wenn gefordert wird, daß keine Freude völlig ungetrübt sein soll, wenn überall, wo es ein Fest, eine Feier gibt,] der Gedanke an die Zerstörung Jerusalems den Wermutstropfen im Freudenbecher bilden soll.24) Es läßt sich nicht leugnen, daß hierdurch die ursprüngliche, naive, ungebrochene Freudigkeit, die das Judentum beherrscht, entstellt wird.25) Das Golus, so lange es auch währt, ist eben ein Ausnahmezustand und es ist mancherlei nicht wesentlich für das Judentum, obwohl es solange geübt wurde und geübt werden mußte von der Judenheit. Und dennoch will es uns scheinen als ob diese Beschränkung der Freude, dieser Aus-! klang der Fröhlichkeit in den Ernst nicht zum Schaden der | Religiosität ausgeschlagen ist. Man denke an das, was uns 1 berichtet wird von den Ausschreitungen, die in der Nacht zum | Versöhnungstag vorkamen zur Zeit, da der Tempel stand.26) I 21) Vgl. ט״ז zu Seil. A. Or. Ch. 560, 7. 22) Tossaphoth Kidduschin 81a s. v. .סקבא 23־) Hiob J, 5. 24) Sch Ar. Or. Oh. 560 auf Grund von Ps. 137, 6. 25) August Wünsche, dessen Monographie ״die Freude in den Schriften des alten Bundes“ Weimar 1896 ein treffliches Bild von dem Frohsinn des biblischen Judentums entwirft, macht darauf auf merksam, daß das Hebräische 12 Zeitwörter für Fröhlichsein hat. 26) Joma 19 b

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