Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1916)
- Date
- 1916-10-01
- Page
- Seite 537 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2292955-2292966--01674-2294933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
עונלחח עגל בל^וד 537 diktion שהחיינו spricht: ״Gepriesen seist du Ewiger usw., der uns Leben schuf; und uns erhalten hat und uns gelangen ließ zu dieser Zeit[ 11). Nichts darf man auf Erden genießen, bevor man nicht dem Spender des Guten gedankt12). Auch die Freude ist ein Genuß, auch ihr soll man sich erst hingeben, wenn man den eigentlichen Bringer, den Höchsten gepriesen. JEs ist aber die Freude etwas recht subjektives. Daher ist auch die halachische Praxis gerade inbezug auf diesen Segensspruch fließend13). Von psychologischem Feinsinn zeugt es, daß er (dementsprechend auch inhaltlich gefaßt) auf Gelegenheiten beschränkt wurde, die zu Zeiten eintreten, entweder alljährlich wiederkehrend, oder in gewissen Perioden des menschlichen Lebens. Der Wechsel der Empfindung geknüpft an den Wechsel der Zeiten bringt die Freude erst zum rechten Bewußtsein. Auch hier ist wohl darauf geachtet, daß die Freude rein sei und unvermischt. Darum hat bei der Beschneiduug dieser Segensspruch der Freude nicht seine Stelle. Denn dem Kinde wird ein Schmerz bereitet11). 1 Auch der Schächter der zum ersten Mal schächtet, spricht ihn nicht. Er kann!sich nicht ungeteilt freuen, obwohl er doch das Glück hat, sein Amt im Dienste der Thoravor- Schriften einzuweihen. Denn das Leid der Kreatur schwingt in seiner Seele mit15) Es gibt naturgemäß auch verbotene Freuden. Dem Ernst der jüdischen Lebensauffassung entspricht es, daß der Kreis recht weit gezogen ist. Doch gilt das ja von jeder ethischen Lebensführung. Denker und Dichter sind sich darüber einig, daß Sinnlichkeit und Wollust wohl gewisse Lustgefühle er- M) Schulchan Aruch O. C11. § 225. 12) Berachotli 35 a. 13) Sch. A. Or. Oh. 223,1. 14) Sch. A. Jore Dea. 260,7 cf. 15 .ביאורי ד5גר״א) ebds. 28. 2 — Nebenbei sei hier der schöne Brauch erwähnt, daß man während man sonst einem Bekannten, wenn er ein neues Gewand sich angeschafft, zuruft תחדהי־ er möchte Gelegenheit haben, es zu erneuern^ d. h. ihm Leben und Gesundheit wünscht, bei Schuhwerk oder Kleidungsstücken, die aus Tierfellen gefertigt wTerden, man das nicht sagt, weil dann doch wieder ein Tier sein Leben lassen müßte, und es heißt ״Gottes Erbarmen waltet über all seinen Werken“ Sch. A. O. Ch. 223,6.