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Jeschurun · 1916-10-01 · Heft 10 (Oktober 1916) · p. Seite 528

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 10 (Oktober 1916)
Date
1916-10-01
Page
Seite 528 (sequence 2)
Language
German
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טנלחדז טל כלנצודז 528 I. Die Vorstellung, daß das Gesetz als Last empfunden werden muß, ist dem Bekenner des Christentums von frühester Jugend durch die Lektüre des Neuen Testaments eingeimpft. Dort werden!dem christlichen Religionsstifter Worte gegen die Pharisäer in den M'und gelegt, aus denen die Abneigung gegen die Last) der Gesetze spricht, zumal sie geeignet sein soll, eine re,in ׳ethische Gesinnung zu ersticken und das rechte sittliche Handeln zu unterbinden2). * Noch mehr hat Paulus Darstellung von dem furchtbaren seelischen Druck, mit dem das Gesetz auf dem Menschen lasten muß, da es nur Forderungen stellt und keine Garantie gibt, daß der Mensch diesen Forderungen auch gerecht werden könnte, und mit der Menge seiner Vorschriften nur dazu dient, die Gelegenheit zur Sünde zu vermehren — hat diese Paulinische Lehre es bewirkt, da*ß der Nichtjude sich das Gesetz nur als eine Bürde und Drohung vorstellen kann. Auf den Grundfehler, der hier dem Urteil zu Grunde liegt, ist schon vielfach aufmerksam gemacht worden. Derjenige, dem das ״Gesetz“ nichts mehr bedeutet, ist natürlich völlig außerstande das nachzuempfinden, was an lebendiger Energie des Fiihlens und Wollens aus seiner Erfüllung geschöpft wird.3). 'Dies mehr im 'Reiche des Unbewußten schlummernde; Vorurteil wird nun genährt durch das Streben der christlichen Theologen, das *Christentum als einen Fortschritt gegenüber dem *Judentum erscheinen zu lassen, es als seine Vollendung, als die absolute 2) Vgl. die Widerlegung* in J. Eschelbaclier ״das Judentum und das Wesen des Christentums“ (die im Index s. v. ״Gesetz״ angegebenen Stellen) Güdemann a. a. O. das 6. Kapitel und J. Wohlgemut!! ״Das jüdische Beligionsgesetz in jüdischer Beleuchtung״ Heft I S. 27—40. s) Eine ausgezeichnete Widerlegung der Paulinischen Argumente gegen ״das Gesetz״ vom Standpunkt der Pharisäer aus hat der Christliehe Theologe T. Herford in seinem Buche ״das pharisäische Judentum״ vor allem S. 157—166 gegeben (Ich zitiere nach der bei uns verbreiteten deutschen Ausgabe des Werkes Leipzig 1913).

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