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Jeschurun · 1916-09-01 · Heft 9 (September 1916) · p. Seite 516

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 9 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 516 (sequence 54)
Language
German
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516 Erhörung. Vorbereitungen waren getroffen, immer näher rückte der Tag der Eeise Da erkrankte der Kaufmann und mußte das Bett hüten. Heißes Flehen sandte er zu Gott empor, zum Tage der Eeise gesund zu sein. Sein Gebet wurde nicht erhört, die anderen fuhren ab, er blieb zurück. Hach wenigen Tagen durcheilte die Schreckenskunde den Ort, daß die Kaufleute von Wegelagerern überfallen, beraubt und getötet wären. — Die Nichterhörung des Gebetes hatte dem Kranken das Leben gerettet. Also nicht jedes Gebet sollte Erhörung finden. Aber es ist auch erklärlich, daß nicht die Andacht und Innigkeit des Gebetes zu dem Glauben an die Erhörung, zu der Forderung einer Gewährung berechtigt. Das Neue Testament lehrt, daß jeder der der Kraft des Gebetes vertraut und fest an die Erhörung glaubt, dieser versichert sein dürfe. ״Alles, was ihr bittet in eurem Herzen glaubet nur, daß ihr es empfangen werdet, so wird es euch werden. (Matth. 21. 22 Marc. 11, 24) — Anders denkt das Judentum. Jüdischer Lehre ist der Glaube, daß die Andacht des Gebetes die Erhörung schon verbürge, — Sünde, allerdings eine Sünde, die der Mensch nur schwer vermeiden kann. ״Drei Sünden“ so lehren unsere Weisen, ״entgeht der Mensch an keinem Tag, sündigen Gedanken, übler Nachrede und עירן* תפלדל.“ Dieses bedeutet nicht, wie sonst, Andacht beim Gebet, sondern nach Tossaphot Mangel an Andacht. Easchi aber erklärt es: ״nachdem er gebetet, denkt er in seinem Herzen, Gott werde ihn belohnen, seine Wünsche erfüllen und sein Gebet erhören, da er doch so andächtig gebetet habe. (Baba bathra 164 b. vgL Sabbath 118 b.) Will doch im Grunde der Mensch, der um der Andacht willen Erhörung heischt, fast eine Gegenleistung von Gott fordern für den Dienst, den er Cott im Gebet erwiesen. So prüft denn Gott daraufhin den Lebenswandel des Beters, ob denn seine Taten eine solche Zuversieht auf Erhörung rechtfertigen. ״Drei Dinge“, so lehrt Eabbi Jizdok, ״bringen des Menschen Sünden in Erinnerung, eine baufällige Wand, unter die der Mensch Gottes Schutz herausfordernd, sich wagt? ein Verklagen des Nächsten bei Gott im Bewußtsein der eigenen Schuldlosigkeit, und?עירן תפלד, das zuversichtliche Erwarten der Erhörung seines Gebetes. (Berachoth 55 a. und Eosch haschanah 16 b., woselbst auch Tossaphoth diese Erklärung annimmt.) So wenig ein andächtiges Gebet ohne die Nebenabsicht der bestimmten Erhörung unerfüllt bleibt, so sehr verursacht die feste Erwartung bittere Enttäuschungen, die nach den Sprüchen Salomos (13, 12) des Menschen Herzen brechen (Berachoth 32 b. vgl. Toss. daselbst.) אין תפלתר עול אדם נעוכלעת אלא אם כן ממוים כפטור בכפר Nur des Beters Gebet vermag auf Erhörung zu rechnen, in dessen zu Gott emporgestreckter Hand kein Verdienst emporgehalten, sondern nur כפטור, die im Gebete ganz aufgelöste Seele ruft. (Taanith 8 a.) Wir möchten meinen,, es sei dies ein Gebet, in dem nicht der Erde vergängliche Güter, sondern

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