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Jeschurun · 1916-09-01 · Heft 9 (September 1916) · p. Seite 515

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 9 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 515 (sequence 53)
Language
German
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Erhörang. 515 Erhörung. Von Rabbiner Dr. A. Michalski, Recklingshausen. Mancher bat in des Krieges eherner Not das Beten gelernt und den Weg zu Gott wieder gefunden. Auch der aufgeklärte Sohn des 20. Jahrhunderts vereinigt Jetzt sein Schlachtgebet in grausiger Stunde mit dem inbrünstigen Flehen, das aus Mutter- und Yaterherzen zum Vater der Menschheit in der Heimat aufsteigt. Aber mancher hat auch das Beten verlernt, wenn seinem heißen Gebet Erhörung nicht wurde und gab sich dumpfer Verzweifelung hin. Ein Fall, der uns bekannt geworden, als Beispiel. Ein Eltempaar war es, zu > des Tempels steten Besuchern gehörend, mit Andacht zu seinem Gott flehend. Unendlich steigerte sich seine Inbrunst, als der Sohn in den Kampf zog. Aus Herzens Tiefen kam ihr Gebet, wenn sie das Leben ihres Sohnes dem Lenker der Schlachten abzuringen suchten. Doch Gottes Weisheit hatte es anders bestimmt. Der unerbittliche Krieg nahm ihnen ihres Lebens Kleinod. Da trat eine furchtbare Wirkung ein. Nie lenkten sie mehr den Schritt zum Gotteshaus, kein betendes Wort kam mehr über ihre Lippen, vereist w״ar im Herzen jedes Gefühl, mit Gott und den Menschen waren sie zerfallen. Hat ein jedes Gebet mit Andacht gesprochen auf Erhörung schon unbedingt Anspruch, trägt die Innigkeit des Gebetes die Bürgschaft der Gewährung in sich? Wäre es der Fall, wer betete nicht? Aber das Gebet hätte nicht mehr sittlichen Wert, wäre nur Mittel zum Zweck, zur Erfüllung des Wunsches zu gelangen. — Wie kann ferner ein Gebet Erhörung finden, wrenn es gegen eine Gottesschickung sich wendet, die von der Gerechtigkeit des Weltenlenkers als Lohn oder Strafe menschlichen Tuns bestimmt wrar. Ungestraft würde der Mensch sündigen können, wenn die Kraft des Gebets jede Strafe zu beseitigen vermöchte. Oft würde auch die Erhörung eines Gebets einen Eingrifl Gottes in die Gesetzmäßigkeit des Weltlaufs, die Gott von*Anbeginn an in die Natur gesetzt, bedingen, da Gott bald dem Sturmwind, bald der Sonne Einhalt gebieten müßte. Niemals weiß schließlich der Betende, ob das von ihm Erflehte ihm wirklich zum Heile gereicht, ob nicht seines Gebetes Erhörung grade sein Unglück bedeuten würde. König Salomo betete bei der Einweihung des Tempels: ״Gib jedem nach seinen Wegen, wie Du sein Herz kennst“ (I. Kön. 9, 39), und der Midrasch deutet diese Worte, ״Wenn jemand um Reichtum bittet, und du weißt, er würde ihm Unheil bringen, so gewähre nicht seine Bitte“ (Ex. R. c. 31.) Doch nur dem Glaubigen versage dann seinen Wunsch, da er weiß, daß du nur sein Bestes bezweckst, dem Ungläubigen gewTähre sein töricht Flehen, da er an deiner Allmacht sonst zweifeln würde (Raschi zu I. B. M. 27, 28.) Ein Beispiel aus jüdischen Moralschriften: Ein Kaufmann wollte mit mehreren seines Ortes in eine große Stadt zum Markte fahren. Die

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