Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 9 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 514 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2292955-2292965--01650-2294908- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
514 Charakterbilder unserer großen Gesetzeslehrer. Saadia die Wege für eine sinngemäße Auslegung der Bibel geebnet, vor allem aber auch Anregung zu einem Ausbau der hebräisehen Grammatik und der Sprachvergleichung, besonders durch Heranziehung des Arabischen, gegeben und so durch seinen Schüler Dunasch b. Labrat den Grundstein zu dem noch heute uns Bewunderung abringenden Bau der Sprachwissenschaft des Mittelalters gelegt hat, die in vielfacher Hinsicht der heutigen hochentwickelten semitischen Philologie fast gleich kommt. Die namhaftesten christl. Exegeten der neueren Zeit, wie Gesenius, Ewald, machen einen nicht unwesentlichen Gebrauch von Saadias Commentaren und haben vielfach zu ihrer Verbreitung beigetragen. Aus dem religiösen Trieb hervorgegangen, der Saadias Willensstärke vor allem bei seinem Werk leitete, hat dieses sich, unbeschadet mancher Mängel, zu einer wissenschaftlichen Höhe emporgehoben, die für alle Zeiten der Bibelforschung des überlieferten Judentums ihren Stempel aufgedrückt hat, demgegenüber die Erzeugnisse der karäischen Lehrer an wirklichem exegetischen Gehalt fast jeden Wert verlieren, da sie uns höchstens über die Polemik gegen die Rabbaniten belehren: es ist dies wiederum ein Beweis dafür,, daß das auf dem Talmud sich stützende Judentum mit der Geistesschärfe, die dieser ihm gegeben, und der Stählung des Willens für das als wahr Erkannte mit allen Verstandesargumenten in unerschütterlichem Kampfesmut einzutreten, zugleich die wahre Wissenschaft lördert. (Schluß folgt.)