Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 9 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 511 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Charakterbilder unserer großen Gesetzeslehrer. 511 der geonäischen Literatur des Zweistromlandes zeigt, vielmehr hat Babylonien die geistige Vorherrschaft über diese Länder erlangt, indem es in der theoretischen Bearbeitung des G-esetzesstoffes und der Gestaltung in der Praxis maßgebend war, sodaß wir in Palästina nur Bearbeitungen der am Sitz des Gaonats entstandenen Literatur, wie z. B. der Halachoth Gedoloth, begegnen, und sogar der alte palästinensische Gebetsritus hatte allmählich dem babylonischen weichen müssen. Indes hatte man im Mutterlande, wie auch in Ägypten, neben dem Studium des biblischhebräischen, auch der Sprache der Mischna seine Aufmerksamkeit zugewandt, und zahlreiche Spuren führen uns auf die Existenz von Glossaren zur Mischnasprache, deren Verfasser sich sowohldesHebräischen als auch des Griechischen, das noch von derZeit der byzantinischen Herrschaft her im Gebrauch gewesen sein mag, bedienten1). — Standen so sprachliche Studien im Vordergründe des Interesses, so fehlte es aber auch sicher nicht an rein halachischen Belehrungen, und in diesen Kreisen, wo beide Geistesrichtungen sich harmonisch vereinigten, erwuchs der geniale Verteidiger und nachhaltige Schützer des traditionellen Judentums. Von den Jugendarbeiten auf dem Gebiete der Sprachwissenschaft, denen wir u. a. das Doppellexicon Agron — leider nur noch trümmerhaft vorhanden — verdanken, und in denen seine überaus große Liebe für die Sprache der Bibel, wie auch deren Verherrlichung gegenüber dem Arabischen zu tage tritt, wandte sich Saadia alsbald zur Bekämpfung der Karäer, die fortan eine seiner Hauptbeschäftigungen, teis in selbständigen Werken, teils im Pentateuchcommentar, bildete. Es ist nun recht bedeutsam, daß der Polemik Saadias gegen die Karäer, besonders in seinem Erstlingswerk, der Streitschrift gegen Anan, wie in dem später verfaßten Buch der Unterscheidung und der *) Es ist das Verdienst der Gelehrten, I. N. Epstein, hier, in seiner Einleitung zu dem geonäischen — bisher fälschlich dem Gaon Hai zugeschriebenen — Comm. zu Tohoroth, dieses für die Literaturgeschichte wichtige Ergebnis festgestellt zu haben. 33