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Jeschurun · 1916-09-01 · Heft 9 (September 1916) · p. Seite 510

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 9 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 510 (sequence 48)
Language
German
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jlO Charakterbilder unserer großen Gesetzeslehrer. des damals, wie noch heute, fälschlich als wissensfeindlich ausgegebenen rabbinischen Judentums, gerade mit den Mittelm die ihm die Tradition verlieh, zur Entfaltung zu bringen; das war Saadia ben Joseph, der spätere Gaon von Sura. In der oberägyptischen Provinz Fajjüm i. J. 892 geboren, konnte Saadia in viel höherem Maße, als es den babylonischen Gelehrten möglich war, eine gründliche Kenntnis der Feinheiten der hebräischen Sprache sich aneignen. Es war zwar durch die politischen Verhältnisse bedingt, dass Ägypten in Abhängigkeit vom Khalifat in Babylonien stand, so daß mit dem islamitischen Einfluß auch der des Arabischen vorherrschend war, indes konnte der durch die geographische Lage bedingte Zusammenhang mit Palästina doch nicht vollständig ausgeschaltet werden. Das Mutterland des jüdischen Volkes war zu jener Zeit die Stätte ein dringenden Studiums der Bibel, besonders durch die in Tiberias blühende Schule der Massoreten, als deren hervorragendste Persönlichkeit uns Ahron ben Moses ben Ascher bekannt ist. Daneben wurde der Pflege der synagogalen Poesie große Aufmerksamkeit geschenkt. Diese nun war von ihren Anfängen in der nachtalmudischen Entwicklung an aufs Engste mit dem Gesetzesstudium verknüpft, da, nachdem die justinianische Gesetzgebung die Lehrvorträge im Anschluß an die mündliche Lehre im Gotteshaus verboten hatte, die Belehrung über die religiösen Vorschriften, wie über die Zukunftshoflhungen des jüdischen Volkes, in das Gewand von peotischen Einschaltungen in die Hauptgebete gekleidet werden mußten. Die noch heute dem Sachkenner so wertvollen Schöpfungen der Pajtanmi, deren Höhepunkt der gedankenkühne und sprachgewaltige Eleasar Kalir bedeutet, legen davon Zeugnis ab. Das eigentliche Studium der Halacha hat in Ägypten und Palästina keineswegs die Höhe erreicht, wie es sich uns in *) Über diese Entstehung des sogen, belehrenden Pijut aus der Zeit der justinianischen Religions Verfolgung habe ich einen, wie die Fachkritik zustimmte, überzeugenden Nachweis in meinen ״Beiträgen usw.“ gegeben. Fast zu demselben Resultat gelangte auch Jawitz in seinem Aufsatz über die Anfänge des Pijut in des Hoffmann-Festschrift.

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