Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 9 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 504 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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504 Schulfragen im Ostjudentum. machen, müßte ihre ganze religiös-sittliche Welt einem völligen Umbau unterzogen werden. Das ist ein zugleich langwieriger und gefahrvoller Prozeß, der nicht aus äußeren Einwirkungen, sondern einzig und allein aus der Entwicklung der inneren Schaffenskräfte sich ergeben wird. Dem Eiesenkörper des Chassidismus wohnt eine Fülle von verborgenen Lebens- und Schaffenskräften inne. Werden seine Lebenswurzeln nicht untergraben, wird die Geburt des Neuen nicht durch künstliche Eingriffe frühzeitig zur Welt gebracht — die dem Chassidismus innewohnende schöpferische Kraft wird sich neue Lebensformen schaffen, die ihm die Möglichkeit geben, innerhalb des modernen Lebens sich zu behaupten und den feindlichen Mächten Widerstand zu leisten. Diese Erneuerung wird durch den natürlichen Lauf der Dinge erfolgen. Unmöglich können die Chassidim auf die Dauer die große Gefahr• übersehen, die ihrer Zukunft in dem Falle droht, wenn sie eigensinnig auf den alten Lebens- und Erziehungsformen bestehen. Gerade die Chassidim müssen die Möglichkeit einer Anpassung an die neuen Zustände erwägen, weil ihre Existenz bei weitem gefährdeter ist als die der Misnagdim. Nochmals: Nicht weil sie die schwächeren sind, sondern, im Gegenteil, weil sie reicher sind an Glaubensgeist und Gefühlskraft. Um so schwerer werden sie die drohende Verarmung ertragen können, um so härter wird sie der Verlust treffen. Wir stehen hier nicht nur vor einer Bildungsfrage, sondern vor der Frage der Erhaltung des Judentums. Die Erschwerung des Daseinskampfes für den Juden rührt daher, daß er im nicht jüdischen Milieu als Jude Fuß fassen möchte. In früheren Zeiten fand der Jude seinen Weg auch ohne Weltbildung; in den heutigen Verhältnissen ist es nicht mehr der Fall. Wir sind aus einer richtigen Würdigung der Verhältnisse und rationelleren Auffassung des Erziehungs- Problems dazu bereit, unser Schul- und Erziehungswesen einer gewissen Reform zu unterziehen. Allein wir vermögen auch nicht um einen Fußbreit von den uns von unseren