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Jeschurun · 1916-09-01 · Heft 9 (September 1916) · p. Seite 502

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 9 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 502 (sequence 40)
Language
German
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502 Schulfragen im Ost Judentum. hohe Bedeutung beimessen, die uns geringfügig dünken, denen aber laut der Kabbala hohe mystische Bedeutung innewohnt. Die Gegnerschaft der Chassidim zur profanen Bildung wird durch folgenden Gedankengang erklärt: Den Denkfähigen unter ihnen dünkt das praktische Wissen einer Wolke gleich, die das innere Licht daran hindert, in das Bewußtsein hineinzuleuchten. Die allzu eifrige Beschäftigung mit der niedrigen Wirklichkeit ist dazu angetan, das geistige Auge zu trüben, das allein fähig ist, das hinter dem Schleier der sinnlichen Welt sich verhüllende wahre Sein zu erblicken. Weit größere Gefahren aber birgt der wissenschaftliche Geist für den Durchschnittsmenschen, den er oft zur völligen Abkehr vom ’Geistigen verleiten kann. Der moderne Intellektuelle mag zum Chassidismus stehen, wie er will. Allein ein strenggläubiger Jude, der aufs tiefste von der Wahrheit überzeugt ist, daß es außer der den Sinnen sich kundgebenden Welt der Erscheinungen noch eine andere Welt des Höheren und Geistigen gibt — ein solcher Jude müßte doch Sinn;und Verständnis für die Herrlichkeiten dieses Lichtlandes, dieser weiten, lichten Höhen des Chassidismus haben! Die Juden Polens sind keine Jemeniten oder Falaschas. Beim Versuch, den Geist des modernen Wissens in Polen zu verbreiten, müßte man immer dessen eingedenk sein, daß wir nicht das Licht der Bildung Menschen, die im Dunkeln wandeln, bringen, sondern daß wir vielmehr am Werke sind, eine höhere Geisteskultur durch ein materielles Bildungsideal zu ersetzen1). Ist das Problem des profanen Unterrichts in Litauen und Samogitien vor allem ein pädagogisches, so wird es in Polen zur Daseinsfrage des polnischen Judentums. Denn allzu bodenständig, allzu wurzelhaft ist dieses polnische Judentum. Was es von der litauischen Geistesart unterscheidet, ist durch den Unterschied zwischen Religiosität und Mystik cha- *) Wir können nns mit diesen Ausführungen des Verfassers nicht identifizieren und werden noch Gelegenheit nehmen, zu diesen und anderen Behauptungen uns zu äußern. Der Herausgeber.

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