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Jeschurun · 1916-09-01 · Heft 9 (September 1916) · p. Seite 501

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 9 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 501 (sequence 39)
Language
German
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Schulfragen im Ostjadentum. 501 Thora ist bekanntlich nicht bloß ein Buch der göttlichen Lehren und Gesetze, denen gemäß man sein Leben einzurichten habe, nicht allein die Offenbarung des göttlichen Willens in Bezug auf das Verhalten des Menschen, sondern selbst das Buch der Schöpfung, das Gott selbst zu Rate zog, als er die Welt erschuf. Bekannt ist auch das den Kabbalisten geläufige Wort, die Worte der Thora seien durchweg Gottes Namen. Auch die Misnagdim sind davon weit entfernt, die heiligen Wahrheiten der Kabbala zu leugnen. Allein die Chassidim machten diese Wahrheiten zum Eckpfeiler ihrer religiösen Anschauung. Auf den mystischen Prinzipien der Kabbala ist ihre ganze religiöse Welt aufgebaut. Einer der Grundgedanken der chassidischen Lehre ist bekanntlich der, daß es dem Juden obliege, der im werktäglichen Leben obwaltenden göttlichen Kraft zur Offenbarung zu verhelfen und das Alltagsleben mit einem Strom von Heiligkeit zu durchfluten. Der wahre Chassid lebt stets im hochgespannten Lebensgefühl der Exstase, seine Wirklichkeit ist in himmlischen Glanz getaucht. Ihm dünkt seine innere Wahrheit entscheidender als alle Logik der Tatsachen, wie ja, nach seiner Annahme, seiner geistigen Welt ein höherer Grad von Realität zukommt als der gemeinen Werktagswirklichkeit. Das Gerede vom Nutzen der Natur- und Wirklichkeitskenntnis und der Notwendigkeit der Anpassung an die Lebensbedingungen dünkt dem denkenden Chassid auf einer geradezu ungeheuerlichen, bemitleidenswerten Oberflächlichkeit zu beruhen. Eine wissenschaftliche Würdigung des Chassidismus wird uns manches verständlich machen, was uns sonst höchst verwunderlich scheinen müsse. So erklärt sich der Widerstand der Chassidim gegenüber dem Studium der Grammatik und zur historisch-philosophischen Bibelerklärung dadurch, daß laut der Kabbala jedem Buchstaben, jedem Strich und Punkt des Thoratextes besondere Andeutungen und Geheimnisse innewohnen. Die sinngemäße Auslegung der Bibel kommt ihnen einer Entweihung gleich. Wir begreifen dann auch, weshalb die Chassidim manchen Minhagim und Bestimmungen eine

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