Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 9 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 500 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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500 Schulfragen im Ostjudentum. darauf konzentriert werden, die alte jüdische Thoraintelligenz zu erhalten, Unser Volk muß seinen Willen von neuem dahin verkünden, daß jüdische Intelligenz und Thorawissen für allezeit identisch bleibt. Diese Intelligenz, wir meinen die alten Talmide Chachomim muß die gesellschaftliche Stellung und den Einfluß erhalten, der ihr die lebendige Fühlung mit dem Volke sichert und sie zur Führung des Volkes :befähigt. Darin, in der Erhaltung der altjüdischen Thoragelehrten, liegt die Bürgschaft für unsere Zukunft. Das ist in großem Umriß unser Programm für Litauen. Anders in Polen. Die Chassidim, sagte ich, sind Verächter der Weltbildung. Den Kulturwert des weltlichen Wissens verneinen sie von Grund aus. Schon das Lesen profaner Bücher gilt ihnen als verpönt. Dieser chassidische Standpunkt der Weltbildung gegenüber entspringt aus dem eigensten Wesen des Chassidismus und ist durch seine ganze religiöse Auffassung bedingt . . Darin soll etwa keine Geringschätzung des Chassidismus enthalten sein. Im Gegenteil. An Tiefe und Reichtum des religiösen Gefühls übertreffen sie die Misnagdim. Ungebrochener und lebenskräftiger ist ihr religiöses Empfinden, daher auch ihr stärkerer Widerstand gegen Elemente eines fremden Geistes. Ihre ungestüme Widerstandskraft ist der Ausdruck eines höheren Grades von Vitalität schlechthin. Die chassidische Lehre basiert auf der Kabbala, die Kabbala aber ist unsere echtbürtige Religionsphilosophie, in der unser sittlicher Genius seine höchste Offenbarung fand. Ich beabsichtige hier nicht, auf das Wesen der Kabbala einzugehen. Für unseren Zweck wird es genügen, hier auf den hinlänglich bekannten Umstand hinzuweisen, daß die Kabbala die Kenntnis der Werkgebote und ihre Befolgung allein nicht für ausreichend hält. Vielmehr kommt es auf eine Versenkung der Gedanken in die tieferen Motive der Gebote an und in die Geheimnisse, die nicht im Wesen de? Gebotes selbst, sondern in jeder Einzelheit derselben, in jedem Minhag und jeder Bestimmung enthalten sind. Die