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Jeschurun · 1916-09-01 · Heft 9 (September 1916) · p. Seite 499

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 9 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 499 (sequence 37)
Language
German
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Schulfragen im Ostjudentrcm. 499 erziehen, — dieses lebendige Beispiel hätte zur Verscheuchung dieser Bildungsfurcht mehr beigetragen als alle logische Argumentation. Erfolgreiche Versuche auf dem Felde harmonischer Erziehung hätte ihre Wirkung nicht allein auf unsere Orthodoxen, sondern auch auf die freisinnigen Kreise nicht verfehlt. Sind doch auch diese Elemente vom gesetzestreuen Judentum bei weitem nicht so entfernt wie im Westen. Allzu zahlreich sind sie überhaupt nicht, ein wesentlicher Teil aber ist uns nur infolge der Mißstände im Erziehungswesen und des sich aus diesem ergebenden Zwiespaltes zwischem praktischem und religiösem Leben entfremdet worden. ■ Hier muß unsere Politik vor allem den Verhältnissen Rechnung tragen. Da die Differenzierung der Parteien nichts mit dem westeuropäischen Bilde gemeinsam hat, muß auch die Methode eine verschiedene sein. Wir würden unserer Aufgäbe nicht Genüge tun, •wollten wir,nur für einen beschränkten Kreis, — sei es auch den wichtigsten, und nicht für die Allgemeinheit Sorge tragen. Wir müssen dem Bildungsstreben der einen Partei und den Anschauungen der strengen Orthodoxie in gleicher Weise gerecht zu werden versuchen. Für die ersten brauchen wir fromme weltliche Bildungsanstaiten, die ihnen jüdische Treue, jüdischen Stolz, jüdi- Frömmigkeit übermitteln, für die zweiten pädagogischreformierte Thora anstaiten, die ihre Zöglinge auch für den Lebenskampf ausreichend vorbereiten, daß die Träger des jüdischen Wissens zugleich starke, aufrechte Menschen werden, die auch in einer feindlichen Welt ihren Mann zu stehen vermögen. Erst wenn wir weitere Kreise für uns gewinnen, wird es möglich sein, die Schärfe des Kontrastes zu mildern, die besonders gefährlich wirkt, da die Orthodoxie ja kein gesondertes Gemeindeleben führt und die Entwicklung in ruhigere Bahnen zu leiten. Auch der, der aus dem Milieu der alten Orthodoxie herausstrebt, wird vor sich einen Kreis von Juden mit weltlicher Bildung finden, die doch den Glauben der Väter nicht verleugnen. Vor allem aber muß unsere Kraft

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