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Jeschurun · 1916-09-01 · Heft 9 (September 1916) · p. Seite 498

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 9 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 498 (sequence 36)
Language
German
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498 Sclmlfragen im Ostjudentam. bildung, und führen es: statt dessen in eine Welt voller Wider- Sprüche und ringender Gewalten. Bevor wir daran gehen können, Richtlinien für die Zukunft zu zeigen, ist es wesentlich, den Unterschied zwischen dem polnischen und litauischen Judentum zu betonen und näher zu beleuchten. — Wir glauben nicht die schwere Problematik, die wir aufgeworfen haben, hier mit einfachen Worten lösen zu können. Die Synthese zwischen Thorakultur and jüdischer Kultur wird erst die Zukunft schaffen!, und vieles, was uns heute unmöglich scheint, wird der kommenden Generation bereits selbstverständlich werden. — Unsere Aufgabe muß es sein, ohne jede gewaltsame Störung die Entwicklung in unserem Sinne zu beeinflussen. Um unsere Ansicht verständlich zu machen, bedarf es noch eines näheren Eingehens auf ,die geistigen Strömungen im Judentum. Besonders denke ich dabei an die verschiedene Stellung der polnischen und litauischen Juden'zu der Bildungsfrage. Folgende Bemerkung wird wohl die Situation am besten charakterisieren: Die litauischen Juden sind Gegner, die Chassidim Verächter der Weltbildung! — Die litauischen Rabbiner seit den Tagen des Wilnaer Gaon (der die Wissenschaften als Dienstmägde der Thora bezeichnete) wissen die Bedeutung! des profanen Wissens an und für sich wohl zu würdigen. Sie erkennen wohl den Kulturwert der weltlichen Wissenschaft, allein sie fürchten ihre destruktiven Wirkungen auf deul jüdischen Geist. Die bösen Erfahrungen mit den damaligen Maskilim und die unglücklichen Experimente eines Rabbi Israel Salanter und seines Schülers Rabbi Simcha Sissel in der von ihm geschaffenen Schule *) zu G r 0 b i n waren dazu angetan, die Furcht noch m steigern. Dies waren allerdings mißlungene Versuche. Würde es tatsächlich gelingen, eine beschränkte Anzahl von Knaben in einer derartigen Musterschule im Geiste der Thora und der Haskala zugleich zu A) Durch ein Versehen kam die Bemerkung über I. Salanter in die vorige Nummer.

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