Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 9 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 495 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Schulfragen im Ostjudenmm. 495 Wir sind bei den Hindernissen länger verweilt, nicht weil wir sie für unüberwindlich halten, sondern weil wir der neuen Reformarbeit Wege und Ziele zeigen wollen. Wir sind der Zuversicht, daß, die Entwicklung selbst den Ausweg, die Antwort finden wird, wenn erst das Problem richtig erfaßt und von weiteren Kreisen durchdacht wird. Allein selbst wenn es gelänge, ein Lehrermaterial, wie wir es brauchen, heranzubilden, bestehen bleibt die ungeheure pädagogische Schwierigkeit der Einordnung der jüdischen und profanen Lehrfächer in den Rahmen eines umfassenden Gesamtprogramms. Bestehen bleibt auch der unausgleichbare Gegensatz zwischen unseren heiligen Lehrfächern und dem profanen Wissen. Hier der Geist tief innerlicher Gläubigkeit und lautersten Idealismus, der Glaube an die Macht des Geistes — dort — bei aller Vorsicht und Gewandtheit im?Unterrieht — Materialismus und Sinnesfreude, die Verherrlichung des Realen, Nützlichen. Zwar bietet das gesetzestreue jüdisehe Deutschland das schöne Muster :einer derartigen geistigen Legierung; dies beweist aber nicht, daß es auch im Osten möglich sein würde. Es ist zunächst eine Verschiedenheit der Temperamente und eine elementare psychische Differenz zwischen den Juden Deutschlands und Polens zu berücksichtigen, die andersgeartete Ergebnisse bewirken könnten. Der Weg des deutschen gesetzestreuen Judentums ist nicht für Massen gangbar. Er stüzt sich ganz allein auf das rein-religiöse Gefühl, das nicht bei jedem in gleiehern Maß vrohanden, gleich ausgebildet und fähig ist, die ganze Persönlichkeit inmitten einer fremden Geistesweit zu tragen und zu leiten. — Die deutsche Geistesrichtung — das stark ausgeprägte Pflichtbewußtsein, die Eigenart, auch widerstrebende Gedankenwelten organisch in sich zu verarbeiten, kam hier dem Judentum zu Hilfe. Das alles fällt in Polen fort. Vor allem herrscht bei uns eine ganz andere Beziehung zur Thorakenntnis als in Deutschland. Zwar steht uns der gesetzestreue deutsche Jude an Thoraachtung 32