Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 9 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 494 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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494 Schul fragen im Ostitiden tum. Organisation des Unterrichtswesens ist, anvertrauen könnte. Auch dort, wo an geeigneten und vertrauenswürdigen Persönlichkeiten zur Beaufsichtigung der neuen Anstalten kein Mangel besteht, wäre die Vergemeindliehung der Chedarim dazu angetan, zum ewigen Steine des Anstoßes für die verschiedenen Parteien zu werden, so daß der neuen Institution immer von einer Seite die Gefahr der Zerstörung drohte. In der hebräischen Presse werden auch Bedenken moralischer Art gegen die Vergemeindliehung der Chedarim laut. Es wird auf die sittlich-kulturelle Bedeutung der persönlichen Sorge um die Kindererziehung hingewiesen. Der unmittelbare Verkehr zwischen dem — trotz der obigen Bemerkung — als sittliehe Persönlichkeit über die Masse hinausragenden Melamed und den breiten Volksschichten, die üblichen Besuche in den Elternhäusern, sein stetes Bemühen, durch Prüfungen usw. das tätige Interesse der Eltern an der Erziehung ihrer Binder wachzuhalten, — alles das ist für die breitesten Volksmassen von größter sittlich-kultureller Bedeutung. In einer Zeit, da alles in den Sumpf des Materialismus zu versinken droht, ist es kaum angebracht, die noch übriggebliebenen geistigsittlichen Faktoren und Triebkräfte herabzumindern. Mit der Vergemeindliehung (und damit verbundenen Bureaukratisierung) des Cheders wird der Melamed dem Volke entzogen, wird eine Scheidemauer zwischen den Thoraverbreitern und der jüdischen Masse aufgerichtet. Freilich ist dieser Umstand eine notwendige Folge des geordneten Erziehungswesens. Auch in der europäischen Erziehungswelt wollen die Klagen über den mangelnden Kontakt zwischen Lehrer und Elternhaus, zwischen Schule und Milieu nicht verstummen; man glaubt da, diesem Misstand durch — Schaffung von Elternausschüssen abhelfen zu können. Allein bei uns, wo die ungünstigen Lebensverhältnisse die armen Eltern fast völlig in den wirtschaftlichen Sorgen aufgehen lassen, muß das Fehlen der selbständigen Lehrerpersönlichkeit, dieses echten Volkserziehers und Erweckers des geistigen Interesses, als ein schwerer Verlust empfunden werden.