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Jeschurun · 1916-09-01 · Heft 9 (September 1916) · p. Seite 493

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 9 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 493 (sequence 31)
Language
German
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Scbulfragen im Ostjudenttim. 493 unverbesserlich. Diesem Menschenmaterial gegenüber, das sich von vornherein dem Lehrberuf nicht aus innerer Neigung, sondern aus simplen Erwerbsgründen zuwendet, müssen sämtliche in Betracht kommende Maßnahmen, wie etwa die Schaffung pädagogischer Pflichtkurse, versagen. Wie sollen jene Lehrerheere herangebildet werden, die das östliche Unterrichtswesen in Anspruch nimmt. In den bestehenden jüdischen Lehrerinstituten herrscht der Geist völliger Arelig'iosität. — 2. Könnten auch die erforderlichen Lehrkräfte wie durch ein Wunder zur Verfügung gestellt werden —, was soll in diesem Falle mit dem deklassierten Melamdimproletariat geschehen? — Man unterschätze diesen Umstand nicht. Dieses Proletariat des Geistes ist nicht über Nacht entstanden, es ist vielmehr durch mannigfache geschichtliche und wirtschaftliche Prozesse und Faktoren bedingt. Es muß ihm nach Verlust seiner Daseinsberechtigung irgend eine Daseinsmöglichkeit geschaffen werden. Die Zahl der Melamdim im gesamten russischen Reiche wird auf über 30 000 geschätzt. Wie ernst die Feindschaft dieser Klasse zu nehmen ist, kann das Beispiel des bekannten westlichen Haskalaapostel Dr. Lilienthal1) lehren. Die Rabbiner ihrerseits werden sich schwerlich dazu entschließen, Tausende von gutjüdischen Familienvätern brotlos zu machen. Die Melamdimfrage ist keine bloß pädagogische, sondern in nicht geringerem Masse eine wirtschaftliche Frage, deren Lösung ganz andere Mittel und Kräfte erheischt als die, die uns im Augenblick zur Verfügung stehen. — 3. Zur Durchführung der angestrebten Reformen wäre es geboten, die alten Chederanstalten ihres Charakters als Privatunternehmen zu entkleiden und in öffentliche Institutionen umzuwandeln. Darin aber besteht die größte Schwierigkeit. Zunächst entbehren wir jeglicher öffentlich-rechtlicher Gemeindeorgane. Dann aber sind nicht in allen Städten die erwünschten Gemeindeorganisationen vorhanden, denen man eine so wichtige und verantwortungsvolle Angelegenheit, wie es die' י) Siehe Sanimelbuch ״Pere jitobe“ Bd. III. Petersburg 1911.

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