Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 9 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 491 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Schulfragen im Ostjndentum. 491 Schlage des Brisker Raws, der größte und beste unter uns, ist ein Gegner der Weltbildung. Niemand von uns wird den Mut haben, seine Autorität anzutasten. Alle wissen, daß seine ablehnende Stellung der Volksbildung gegenüber nichts weniger als einer volksfeindlichen Regung entspringt; seine Wohltätigkeit und seine Herzensgüte sind nur allzu gut bekannt. Wer aber wird einem Manne Lebenskenntnis absprechen wollen, um dessen klugen Rat der tüchtigste Kaufmann nachsucht, dessen praktische Lebensklugheit von allen bewundert wird! Die Verfechter des alten Cheders repräsentieren ja den alten Rabbinertyp, diese festgefügten unerschütterlichen Persönlichkeiten voll Gradheit, Klarheit und Kraft — die jungen können dagegen die Kennzeichen von Zwiespalt und Zerrissenheit nicht völlig verwischen. Im Grunde ist unser Ziel ja eins: die Erhaltung des alten Judentums. Nur daß wir empfinden, daß das rasche Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung auch bei uns andere Maßnahmen, eine andere Vorbereitung erfordert. Die Intensität des Wirtschaftskampfes fordert den Einsatz aller Kraft, Schulung und Bildung des Einzelnen. Wer hier verschmäht, die technischen Vorteile zu benutzen, wird rücksichtslos aus der Bahn geworfen. Hier aber müssen wir der Entwicklung zuvorkommen, damit der einzelne Jude in der neuen Welt nicht sofort den Boden unter seinen Füßen wanken fühlt. Wir haben es nur zu häufig erlebt, daß dieselben treuen Juden, sobald sie die Enge des Ghetto verlassen, nicht nur ihren religiösen, sondern auch allen sittlichen Halt verlieren.- Die Reform suchen wir keinesfalls, weil wir die Schätze der Vergangenheit nicht zu würdigen verständen und den alten Geist durch einen neuen ersetzen wollen. Nein! Tausendmal nein! Reformen sind uns erstrebenswert nicht um des Lebens, sondern um des Lebens des Judentums willen. Uns beseelt nicht Bildungssucht, sondern der glühende Wille zur Selbsterhaltung unserer jüdischen Geistesart. Die heiligen 'Grundsätze der traditionellen Erziehung sind