Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 9 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 490 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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49° Schulfragen im Ostjudentum. Schulfragen im Ostjudentum. von Rabbiner I. Weinberg, Pilwischki. .Wir sprachen von den alten ßabbinen und suchten psychologisch ihre Stellungnahme zu erklären. Sie lehnen grundsätzlich jede Reformbestrebung ab. — Als vor etwa drei Jahren die Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den Juden (״Mefize Haskala“) den Vorschlag machte, die Chederschulen ihres Charakters als Privatuntenehmen zu entkleiden und sie in öffentliche Institutionen umzuwandeln, wodurch gleichzeitig die Durchführung elementarer pädagogischer Reformen ermöglicht werden sollte — da traten die führenden Rabbiner dieser Bestrebung mit heftigem Protest entgegen und ließen an die genannte Gesellschaft das dringende Ersuchen ergehen, sie möge überhaupt ihre Hand von dem ״heiligen Chederinstitut“ lassen. Es stehe jedem frei, sich Kenntnis der Landessprache und sonstige Allgemeinbildung nach Belieben anzueignen, wo und wann er will. Die Unterrichtsanstalten aber hätten blos die Aufgabe, den Schülern Kenntnis der Thora zu vermitteln, damit sie im Geiste der Thora und des Glaubens aufwüchsen. Die Rabbiner erblicken in jeder Änderung und Reform den Versuch, die Fundamente des alten Baues zu untergraben, und obgleich es auch ihnen nicht entgeht, daß die mächtigsten Lebensströmungen mit Elementargewalt an den Grundfesten des Alten rütteln, so wollen sie doch selbst dem Geiste der Zerstörung keinen Vorschub leisten. Daß sie selbst Hand anlegen sollten, um dem geschichtlichen Judentum das Grab zu schaufeln, das werden sie nimmermehr zugeben. Inzwischen pocht das Leben immer mächtiger an die Pforten des Cheders. Wir jungen Rabbinen haben einen schweren Stand. Wie können wir gegen die Thora-Liebe, den heiligen Idealismus und die Autorität der Alten ankämpfen! Sollten wir den Maskilim gleich die alten Rabbinen, die wir als Vorbilder echt jüdischen Lebens verehren, als Fanatiker und Lebensfeinde brandmarken? Ein Mann vom