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Jeschurun · 1916-09-01 · Heft 9 (September 1916) · p. Seite 489

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 9 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 489 (sequence 27)
Language
German
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Schuld und Sühne. 489 Bürgschaft, daß die Reue eine ernste, die Rückkehr eine dauernde. Dieser zarte Hauch der Reinheit schwindet aus unseren Häusern. Und alle Deklamationen über die Notwendigkeit der Aufklärung, die Nützlichkeit der freieren Verkehrs der Geschlechter, die Wichtigkeit der modernen Lektüre können darüber nicht hinwegtäuschen. Vielleicht ist die Assimilation — wir reden natürlich nur von.den gesetzestreuen Juden — nirgends eine so gründliche gewesen, wie auf diesem Gebiete. Und wir hatten doch einen so reichen Schatz zu wahren; צניעות war wieder so ein unübersetzbarer Begriff für ein spezifisch jüdisches Gut. Dem unerbittlichen Gebot der Verhältnisse müssen wir uns beugen! Wir müssen unsere Mädchen Berufe wählen lassen, an die unsere Altvordern nicht gedacht. Daß wir über das harte Muß nicht über Gebühr hinausgehen, daß wir uns den rechten Sinn für das schönste Erbteil unseres Stammes gewahrt haben, wird man kaum behaupten dürfen. * * Was ist die Ursache, daß viele unter uns, die es doch so ernst nehmen mit dem Thoraworte, die unserer Religion so große Opfer bringen, für alles was mit תשובה zusammenhängt, so wenig Herz und Sinn haben? Ein Mangel an Innerlichkeit des religiösen Fühlens kann doch schwerlich überall angenommen werden. Es ist mehr mangelndes Wissen von der bedeutenden Stellung, die die Begriffe von Schuld und Sühne in unserer religiösen Literatur einnehmen. Die Beschäftigung mit den ספרי מיסר, die früher keienn Tag aussetzte, hat aufgehört. Denn auch von religiösen Gütern gilt: Nur das, was immer und immer wieder von Neuem erarbeitet wird, wird zum festen Besitz. Zu dieser Beschäftigung anzuregen, auf die reichen Quellen hinzuweisen, die in unserem Schrifttum sprudeln, sollte der Zweck unserer Erörterungen sein. J. W. יי'

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