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Jeschurun · 1916-09-01 · Heft 9 (September 1916) · p. Seite 486

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 9 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 486 (sequence 24)
Language
German
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486 Schuld und Sühne. Diese Liebe zu Gott dem Vater findet auch ihren Ausdruck in dem Bewußtsein, daß das ganze Volk eine Familie bildet, daß alle wie Geschwister für einander bürgen. Sicherlieh haftet dem Gedanken, daß die Verdienste und die Leiden der Frommen und der Kinder für die Gesamtheit eine sühnende Macht besitzen, etwas Mystisches an. Aber diese Anschauung wurzelt zuletzt doch in dem klaren altjüdischen Gedanken: Kinder seid ihr dem Ewigen Eurem Gotte, wie gegen Gott so untereinander in Liebe verbunden. Es erübrigt sich, nach den Vorstellungen über die religiöse Sühne in dem seelischen Erleben der Modernen Ausschau zu halten. Sie haben gar kein Empfinden für die Notwendigkeit dieser Sühne, da ihnen auch die Schuld im religiösen Sinn, die Sünde nichts mehr gilt. Daher geht ihnen auch das Verständnis für die Notwendigkeit und den Wert der Reue ab. Die Reue ist nach ihrer Meinung ein sehr überflüssiges Requisit im Seelenleben des Menschen. Das Vergangene lasser vergangen sein, nicht zurückschauen, sondern vorwärts ist die Lesung. Keinen neuen Fehler begehen, nicht neue Schuld häufen! Das könnte man sich gefallen lassen, wenn ihnen auch wirklich der Entschluß zu einem neuen Leben treu bliebe, wenn sie wirklich mit dem alten brechen würden. Wir bezweifeln, ob dieser Äußerung des Selbstbewußtseins auch immer die Kraft der Aufopferung entspricht, ob diese Jugend in ihrem Ideal einen Ersatz findet für die gewaltigen Energieen, welche die altehrwürdigen Intitutionen der תשובה auslösen. * * -x- Doch bleiben wir bei uns! Die oben mitgeteilten Gedanken sind uns allen mehr oder weniger geläufig, aber sie rühren nicht an unser Tiefstes. Wer könnte leugnen, daß unter uns das Schuld- und Sündenbewußtsein der Alten nicht mehr anzutreffen ist. Und es wird wohl keiner die Behauptung wagen, wir• wären unserem Gotte näher gerückt. Schon äußerlich macht sich das geltend. Wo hört man noch das

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