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Jeschurun · 1916-09-01 · Heft 9 (September 1916) · p. Seite 484

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 9 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 484 (sequence 22)
Language
German
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484 Schuld und Sühne. scheint uns, als ob auch der Determinismus so vieler christlicher Theologen, der für das jüdische Denken mit der Religion so gar nicht in Einklang zu bringen ist, nicht so sehr das Resultat religionsphilosophischer Gedankengänge ist, sondern aus der dunklen Empfindung hervorwuchert von der Macht, die der Böse auf Erden hat, welcher der Mensch nicht zu entrinnen vermag. Aber ebenso gegen den neuzeitlichen Monismus, der das Böse völlig seines Charakters entkleidet, der die Grenzen verwischt, von dem Bösen sagt, es sei gut und von dem Guten es sei böse. Der Monismus ist ein Sammelname für die mannigfachsten Theorieen, und es liegt uns fern, die Vertreter der einen verantwortlich zu machen für Lehren der anderen. Aber in der allen gemeinsamen Tendenz liegt es, alle Triebe auf eine Skala zu bringen. Wie das Leben in allen seinen Ausstrahlungen zurückgeführt wird auf die primitivsten Be־ wegungen, wir zur Erkenntnis der Lebensmechanik gelangen sollen, wie der Unterschied zwischen Tier und Mensch aufgehoben wird in Denken und Empfinden, der Unterschied der Qualität uns als einer der Quantität verkündet wird, so dürfe auch nicht von gut und böse gesprochen werden. Auch diesem dualistischen Prinzip müsse man den Garaus machen. Was lebenfordernd ist für das Individuum oder für die Gesamtheit, dort wo der Einzelne an dem Leben der Gesamtheit interessiert ist, das wird erstrebt und ist darum auch erstrebenswert. Und durch diese Pforte schlüpft dann wieder alles, was die utilitaristischen und hedonistischen Systeme der Ethik ausgeheckt. Mag hier noch soviel sittlicher Ernst zu Tage treten, der Begriff der Schuld geht in die Brüche und von dem religiösen der Sünde kann schon gar nicht die Rede sein. Und zuletzt: Was nur über die Sühne gesagt wird, alles trägt den Stempel jüdischen Geistes. Gerechtigkeit ist das erste Leitwort. Das Weichliche, das solchen Worten anhaftet, wie daß, wer sich schuldlos fühlt den ersten Stein werfe, es fehlt durchaus. Der Ernst der Vorstellung von Gott, der Gedanke an die verletzte Majestät Gottes, er fordert

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