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Jeschurun · 1916-09-01 · Heft 9 (September 1916) · p. Seite 473

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 9 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 473 (sequence 11)
Language
German
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Schuld und Sühne. —a 473 ein Vergehen übersieht, dessen Leben werde preisgegeben5). Doch wird bei alledem die Welt in Liebe gerichtet6). In der Misehna Ende Joma wird bekanntlich ein Kanon aufgestellt, für welche Sünden die einzelnen Mittel der Sühne in Betracht kommen. Aber wie dieser Kanon schon in der Gemara z. St. variiert wird, so erscheinen die Grenzen in den verstreuten Stellen des Talmud und Midrasch noch fließender. Die Institutionen, welche die Thora eingesetzt, nehmen natürlich einen bedeutenden Raum ein: .Die Opfer und der Versöhnungstag. Während diese aber in der Bibel nur auf einen kleinen Kreis beschränkt sind, von den Opfern nur die Schuld und Sündopfer der Sühne dienen und der Versöhnungstag vorzüglich die Heiligkeit und Reinheit des Tempels wiederherstellen soll, wird später der Kreis weiter gezogen. Die sühnende Kraft des Opfers gilt allerdings als nach der Art der Opfer verschieden, aber ihnen allen wohnt sie in irgend einer Form inne. So wird dies auch von dem täglichen Morgen und Abendopfer angenommen, und wir haben hier einen charakteristischen Streit zwischen den Schulen Schammais und Hillels. Die ersteren deuteten das Wort für die Opfertiere des täglichen Opfers כבשים so, daß sie die Kraft haben die Schuld Israels niederzudrücken (כבש) und untertauchen zu lassen, worauf diese ihnen erwiderten: ״was niedergedrückt ist, taucht später doch wieder empor“, vielmehr waschen sie die Schuld Israels ab (בבס) und machen es wieder wie ein Kind von einem Jahr, das rein von jeder Sünde ist 7). Der Grundgedanke, der allen Opfern gemeinsam, ist aber der, daß in ihrer Ausführung der Wille Gottes geschieht. In unnachahmlicher Weise wird die anthropomorphistische Wendüng der Bibel אשה ריח ניחוח ein Feueropfer5 von lieblichem Geruch in den spezifisch jüdischen, in anderen Sprachen nicht wiederzugebenden Begriff נחת רוח לבורא gewandelt, in dem nicht nur die Vollstreckung des göttlichen Willens zum Ausdruck kommt, sondern auch die freudige Ge- 5) Baba K. 50a. 6) Aboth 3,15. 7) Pes. de R. K. 61b.

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