Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 9 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 468 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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468 Schuld und Sühne. Jedes Mittel der Verführung ist ihm recht: Er ^zeigt sich besorgt für das Wohl der Familie. Warum willst du ein Almosen geben und dein Gut mindern? Besser du gibst es deinen Kindern als Fremden9)! Oder er appelliert an die Eitelkeit: Er sagt z. B. du wirst doch dem keinen Trauerbesuch abstatten, du bist doch ein so vornehmer Mann10). Wenn alle Stricke reißen, so führt er die Gnade Gottes ins Feld: Sündige nur, Gott wird dir schon verzeihen11)! * ־{כ * Obwohl der böse Trieb nach manchen Darstellungen scheinbar von außen auf den Menschen wirkt und so zur Quelle der Empörung wird, so übt er doch seine Macht nicht im Widerspruch zu Gott. Gott hat beide Triebe den guten und den bösen geschaffen1). Denn dieser ״Sauerteig“ hat auch seinen guten Zweck. Der Fortschritt der Einzelnen und der Gesamtheit ist ohne ihn undenkbar. Keiner würde ein Haus bauen und freien, keiner Kinder zeugen und seine Geschäft treiben ohne diesen Anstoß 2). Er verkörpert Leidenschäften, die nur durch den ungeeigneten Mißbrauch, den man von ihnen macht, zu Lastern werden. Er wird auch der Diener des Menschen genannt: ״Ich habe jedem zwei Diener gegeben, einen guten und einen schlechten“3). Auch dort, wo er als der Feind des Menschen auftritt und mit dem Satan identifiziert wird, ist er nicht von Grund aus schlecht: Sein Vorgehen gegen Hiob, meint R. Levi, war nur von der Rücksicht auf Abraham diktiert, dessen Frömmigkeit Hiob zu verdunkeln drohte, und der Satan, bemerkt der Talmud mit wunderbarem psychologischen Feinblick für den edlen Kern in der Seele des Bösen, war von dieser Deutung seiner Motive so beglückt, daß er dem Rabbi dankbar das Knie küsste 4). 9) Exodus R. 36, 3. 10) Pesikta Rabbatti ed. Friedmann S. 150 a. 1!) Chagiga 16 a. *) Berachoth 61a. 2) Gen. R. 9,7. s) Agadath Bereschith ed. Buber 14. 4) Baba bathra 16 a.